Facing Cayons Tour: Bastian Baker in Solothurn

Eigentlich hat Bastian Baker sein 3. Album „Facing Canyons“ bereits letzten November veröffentlicht. Damals am selben Tag spielte er die Abschlussshow seiner von der Schweizerischen Post gesponsorten „The Yellow Tour“, auf der er bereits einige der neuen Songs vorgestellt hatte. Aber erst jetzt hatte er die eigentliche „Facing Canyons Tour“ gestartet und spielte in Solothurn das zweite Konzert. Ich hatte ursprünglich nur die Shows in Bern und Zürich geplant, aber konnte einer weiteren nicht widerstehen. Ich war Anfangs bei jeweils viel mehr Shows dabei, da mussten einfach drei Konzerte drin liegen. Somit ging es an dem Donnerstagabend ab nach Solothurn.

Donnerstagabend mit dem Auto nach Solothurn ins Kofmehl bedeutete Unmengen Verkehr und Stau ohne Ende. Aber das Nachhausekommen ist halt so jeweils einfacher. Und: Übung macht den Meister. Ich bin eh zu selten im Auto unterwegs. Und obwohl ich mindestens eine halbe Stunde später als geplant dort ankam, stand keiner vor dem Konzertlokal. Also praktisch keiner. Konnte mich sogar noch zu meiner Kollegin anstellen. Ein kurzer Run auf die erste Reihe gab es zwar schon, aber war doch glatt viel einfach als erwartet. In den letzten Monaten, bei den letzten Konzerten scheint das allgemein viel zu einfach. Was ist los? Sind die Fans nun tatsächlich älter und vernünftiger geworden? Stehen sich nicht mehr stundenlang die Beine in den Bauch für die erste Reihe? Oder haben sie mit dem Älterwerden schlichtweg keine Zeit mehr? Das war nämlich bei 77 Bombay Street, Bligg oder Stefanie Heinzmann kürzlich auch nicht anders. Ich beklag mich nicht, es fühlt sich nur etwas seltsam an 😉

Setlist Robert Francis
Setlist Robert Francis
1. Star Crossed Memories
2. Darkness
3. Some Things Never Change
4. Baby Was The Devil
5. Junebug
6. Nightfall
7. One By One
8. Mescaline

Bastian Baker kündete Robert Francis, der für die meisten Shows der Facing Canyons-Tour als Support dabei war, persönlich aus dem Backstage an. Er sei einer seiner Lieblingskünstler und freue sich, ihn dabei zu haben. Ich hatte mir Robert Francis irgendwie immer anders vorgestellt. Die wenigsten kannten ihn wohl. Naja, vom Namen her auf jeden Fall nicht. Wenn man die ersten Klänge von „Junebug“ [Video hier] hört, ist einen schnell klar und bekannt, wer da auf der Bühne steht. Der Singer/Songwriter stammt aus Los Angeles, USA, und erzählte, dass es ungefähr 4-5 Jahre her ist, seit der Song in den Schweizer Radios auf und ab lief. Hui, schon so lange? Letztes Jahr hatte er sein 5. Album „Empire Blues“ veröffentlicht und es war schön mehr als nur „Junebug“ von ihm zu hören. Ich kannte ja sonst auch nichts von ihm. Er spielte wunderschöne folkige Balladen und Uptempo-Stücke, die vor allem mit Martin an der Violine so richtig toll klangen.

Rund eine halbe Stunde nachdem Robert Francis die Bühne verlassen hatte, begann das Konzert von Bastian Baker mit „We Are The Ones (# FF)“ ab dem neuen Album „Facing Canyons“. Erst betrat seine Band die Bühne, startete den Song und Bastian folgte begleitet von viel Jubel und Gekreische. Bastian wird auf dieser Tour wie üblich von seiner bisherigen Band begleitet:  Nathan Bonjour am Schlagzeug, Simon Jaccard an Keyboard und Gesang, Priscilla Formaz als Backgroundsängerin und Multiinstrumentalistin (Percussion, Violine, Flöte), Chris Zindel am Bass und Joris Ammann an der Gitarre. Neu dabei sind Zacharie an Trompete sowie Leon am Saxophon. Das Konzert war ein riesen Spass! Ich lieb Bastian Baker’s Pop-Songs in diesem Folk/Country-Stil so sehr. Eigentlich sehr simple Popmusik, die mit Violine, Banjo, Mandoline, Ukulele oder eben auch Trompete und Saxophon gewisse Extras verliehen kriegt. Mal etwas jazzig, mal mehr funky und sogar etwas Latin flair… Ohne diesen ganzen Synthies, die momentan so total im Trend sind. Nicht, dass ich was gegen Synthies hab. Nicht grundsätzlich auf jeden Fall. Ihr wisst, was ich meine?!

Vor rund 4,5 Jahren hatte alles mit „Lucky“ angefangen. Klar können die Fans das Wort für Wort mitsingen. Zwischen den Songs erzählte Bastian Geschichten, Erlebnisse und kommentierte die Entstehung einzelner Lieder.  Mal erzählte Bastian von peinlichen Vorfällen beim ersten Prix Walo-Besuch, mal von seiner Zeit in Paris, als er Teil der Tanzshow „Danse avec les Stars“ war. Damals schrieb er „Prime“ – ein Lied, das vermitteln soll, in allem etwas Positives zu finden. Einer meiner Favouriten ab dem Album „Too Old To Die Young“. Und mit ihrem Charme und der ganzen Interaktion hatte die Band das Publikum sofort auf ihrer Seite.

Setlist Bastian Baker
Setlist Bastian Baker

Beim neuen, sehr funky „I Want You“ legte Bastian seine Gitarre beiseite und heizte wild über die Bühne. Machte vor allem das weibliche Publikum mit seinen Tanzmoves und sexy Hüftschwung zum Kreischen. Als er plötzlich auf die Absperrung stand, mitten ins Publikum sprang und dort mit den Girls weiter tanzte… Was für eine Party! Während er im Publikum verweilte, machte Bastian sogar mit zwei, drei Fans Selfies, bevor er zurück auf die Bühne kletterte.

Mit dem Akkustikset wurde es wieder etwas ruhiger. Die Bühne wurde in rotes, gedimmtes Licht getaucht und die Band setzte sich auf Hocker an den Bühnenrand.  Es entstand dabei eine unglaublich schöne Atmosphäre, bei der sie als erstes „Leaving Tomorrow“ spielten. ‚Der Jeder Rappen zählt‘-Titelsong 2014 hatte er nach einem Besuch in einem jordanischen Flüchtlingslager geschrieben. Für diese Tour liessen sie sogar etwas Latin Flair einfliessen. Und für’s Akkustikset spielten sie auf dieser Tour nun auch zum allerersten Mal „With You Gone“. Der Song ab dem ersten Album „Tomorrow May Not Be Better“ hatten sie davor noch nie live gespielt.

Sie liessen sich einiges einfallen, um das Publikum bestens zu unterhalten und ich war vom ersten Moment an begeistert. Mit Hilfe eines Videos von Keyboarder Simon hat Bastian sogar gelernt den mit Alex Hepburn geschrieben Song „Planned it all“ am Piano zu spielen. Er habe ja davor höchstens mal für seine Mutter und Schwestern Piano gespielt, aber wollte das Lied für die „Facing Canyons Tour“ lernen. So sass er ganz allein am Piano in mitten der Bühne, von Dunkelheit umgeben, nur von diesem einen Scheinwerfer beleuchtet und verursachte Gänsehaut. Wunderschön!

Mal wurde es wie bei „Planned It All“ romantisch, mal wirbelten sie zu „Never In Your Town“ oder „Dirty Thirty“ wild über die Bühne. Dabei stattete Bastian den Zuschauern auf dem Balkon ebenfalls noch einen Besuch ab. Sie spielten “Tell The Night“, das von Erinnerungen und Vergessen handelt, und dass man nicht immer allen alles gleich erzählt. Sie spielten „Kids Off The Streets“, das von Strassenkindern handelt oder „Charlie From Sidney“, welches aufgrund der Terroranschläge in Paris und Sidney entstand. Bastian bedankte sich damit auch fürs zahlreiche erscheinen, trotz der gegenwärtig, weltweiten Terrorangst. Er erinnerte an den Pariser Anschlag aufs Konzertlokal Bataclan: Das waren Leute wie wir gewesen, die ein Konzert besuchten und Spass hatten. Ja, die Erinnerung verursacht immer wieder ein komisches Gefühl…

Bastian erschien für die Zugabe mit seiner Gitarre und stimmte „I’d Sing For You“ an. Doch bevor er überhaupt die ersten Worte singen konnte, war das ganze Kofmehl schon in einen Chor über gegangen. Er musste nach der ersten Strophe nur noch einsetzen. Damit endete das Konzert – naja, dachte der grösste Teil des Publikums offensichtlich und verliess eilig die Halle. Es herrschte einen Moment lang Verwirrung, auf der Bühne entstand ein wildes Hin und Her. Hinter der Bühne waren sie sich wohl unsicher, ob damit noch eine weitere Zugabe folgen sollte oder nicht. Sie Stellen den Hocker aber dann doch nochmal hin. Es war wohl die seltsamste und gleichzeitig witzigste Situation, die ich je erlebt hatte. Bastian setzte sich lachend hin und spielte als allerletzte Zugabe noch sein Cover von Leonard Cohen’s „Hallelujah“.

Rund 2 Stunden Konzert mit Spass, Emotionen und so viel Abwechslung. Wir haben das Kofmehl mit heller Begeisterung verlassen und ich konnte die Show in Bern in der darauffolgenden Woche kaum erwarten.

Offizielle Webseiten:
Bastian Baker
Robert Francis

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