Indiecator Special in Wetzikon

Ein verregneter Samstagabend ist doch perfekt, um ein paar tolle Konzerte zu sehen, auch wenn der Weg einen dafür etwas weiter und durch den Regen führt. An diesem Samstagabend fand in der Kulturfabrik Wetzikon das Indiecator Special mit Mihaly Flow, Rival Kings und Manolo Panic statt. Der Abend zeigte, dass solche Konzerttrips und –besuche eben oft ganz viel mehr sind, als ‚nur‘ die Bands und ihre Musik.

Die Kulturfabrik in Wetzikon

Ich war vor Jahren mal an einem The Baseballs Konzert in Wetzikon (liegt übrigens im Kanton Zürich) gewesen. Ich stellte aber schnell fest, dass das damals nicht in der Kulturfabrik  war. Das Lokal ist nicht riesig und die Besucherzahl war es ebenfalls nicht. Das teils sehr bunte Lokal wirkte ausserhalb des Saals mehr wie ein etwas heruntergekommener Jugendtreff, drinnen aber sehr privat und familiär. Von kleinen Kindern bis zum Opa waren alle da. Es war sehr gemütlich mit der Kollegin auf dem breiten Fenstersims zu sitzen, was zu trinken und mit etwas Hintergrundmusik auf die Bands zu warten.

Die einheimische Band Manolo Panic hatte an dem Abend Heimspiel und wurde dabei von den anderen beiden Bands untersützt. Naja, ihr kennt mich mittlerweilen ja gut genug um zu wissen, dass ich wegen den Rival Kings hinfuhr.

Bluesiger Indie-Rock aus Bern

Die Berner Band Mihaly Flow, dessen Mitglieder mehrheitlich aus dem Wallis stammen, ist eine vierköpfige Blues/Indie-Rockband. Mit den beiden Lauras an der Front sowie am Bass, steigerte die Band die Frauenquote des Abends. Ich bin mir nicht sicher, wie lange es die Band gibt, auf jeden Fall hatten sie ihre in Wetzikon aufgenommene EP im Gepäck.

Waren die ersten paar Songs nicht ganz so meins, zu bluesig, gefielen mir die letzteren umso besser. Dabei bewies die Frontfrau, was für eine tolle Sängerin sie ist. Man hätte nur vielleicht noch ein Bisschen mehr die Lautstärke aufdrehen müssen. Dann hätte es möglicherweise so richtig schön „rein gehauen“. Als sie, rund 15min später als erwartet ihr Set beendeten, ahnte ich schon, dass die letzte Band nicht mehr in meinen Zeitplan passen werde.

Spielfreude und ungeteilter Humor

Anders als beim letzten Konzert in Zermatt spielten die Rival Kings nicht unplugged sondern wieder voll elektronisch. Die Band schien bester Laune, was sich natürlich aufs Konzert auswirkte. Dass sie gerne „richtig reinhauen“ weiss ich ja und da sie momentan so selten Konzerte spielen, wohl umso lieber.

So energisch wie ihre Songs daher kamen, taten das auch die Sprüche von Frontmann Etienne. Da in der Kulturfabrik schienen aber nicht alle seinen Humor zu teilen. Und plötzlich schienen auch nicht mehr ganz alle im Publikum so amüsiert und fast schon etwas angriffslustig, zumindest verbal, zu sein.

Ob es vielleicht doch daran lag, dass wir in Wetzikon auf dem Land waren, wie zu Beginn des Konzertes alle einheitlich zustimmten? Dabei schienen die Sprüche harmlos genug. Die Umarmungen, die sie nebst dem Album verkaufen wollten, schienen  mir allerdings auch etwas teuer  😉

Passende Setlist und coole Lichtshow

Am Konzert war nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Die Setlist, mehrheitlich mit neuen Songs ab dem aktuellen Album „War“, war für die 45min Auftrittszeit „kurz und knackig“. Die Songzusammenstellung, die mit einer coolen Lichtshow untermalen wurde, passte. Es machte besonders viel Spass ihnen zuzuhören und zuzusehen. Leider mussten wir nach Ende der Show viel zu bald los.

Die Kids standen bereits mit selbstgebastelten Fähnchen und Plakaten für Manolo Polar bereit. So herzig! Aber bevor wir, oder vor allem ich, uns bereits vor der Show der Indie-Rockband wieder auf den Weg machen mussten, trafen wir noch kurz auf Natalie von musicfeelsbettertogether. Falls ihr den Zürcher Musikblog noch nicht kennt, schaut unbedingt auch dort mal vorbei.

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Meine Heimfahrt beinhaltete schliesslich mal wieder eine unglaublich lustige Begegnung. Ich sass im Zug, wollte grad meine Kopfhörer aufsetzten und mich von der Welt abschotten, da setzte sich ein Teil einer Männergruppe aus Olten in mein Abteil. Schnell kam ich mit den Herren, schätzungsweise zwischen 40 und 65 Jahre alt, ins Gespräch.

Thema war unter anderem die Jugend, die nicht mehr miteinander spreche und keine Gespräche geführt würden. Da konnte ich natürlich schlecht meine Kopfhörer aufsetzen. Somit wurde das aber mal wieder zu einer sehr unterhaltsamen Heimfahrt.

Konzerte sind mehr als nur die Band und ihre Musik

Ja, Konzertbesuchte sind so viel mehr als ‚nur‘ die Bands und ihre Musik. Es sind:

  • Die Bands und ihre Musik
    Das Wichtigste natürlich die Band und ihre Musik, die man so sehr mag. Für die und wegen denen reist man überhaupt irgendwo hin.
  • Neue Bands und Musiker
    Ob man die neuen Bands und Musiker dann mag oder nicht, es ist (meistens) interessant neues zu hören und zu entdecken.
  • Reisen und neue Orte
    Auch schon nur durch die Schweiz Reisen, dabei neue Orte und Lokale kennenzulernen, ist einfach toll. Man lernt dabei auch einiges in Sachen Geografie.
  • Freunde und Bekannte
    Man trifft sich mit Freunden und Bekannten, mit denen man eine gute Zeit verbringt und die ganzen Erlebnisse teilt.
  • Neue Bekanntschaften
    Man trifft immer und überall neue Leute. Da entstehen auch mit Wildfremden oft interessante und lustige Begegnungen.

Hab ich was vergessen? Es sind neben den Konzerten einfach sämtliche Eindrücke und Erlebnisse, die ebenfalls zählen. Genau so, wie an diesem Abend. Aber wenn ihr öfters „auf Tour“ seid, kennt ihr das wahrscheinlich auch?

Das nächste Konzerte spielen die Rival Kings übrigens am 29. Juli in Schmerikon am Rockfest und am 5. August in Schüpfheim am Sommernachtsfestival. Alle weiteren Infos zur Band findet ihr auf www.rivalkings.net.

Infos zu den anderen Bands findet ihr hier:

www.mihalyflow.com
www.manolopanic.com

 

mehr Videos gibts auf meinem Youtube-Kanal.

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