James Blunt im Hallenstadion Zürich

Nach einer drei monatigen Nordamerika-Tour, bei der er Ed Sheeran supported hat, ist James Blunt nun diesen Herbst mit seinem Album „The Afterlove“ zurück in Europa und hat auch Halt im Zürcher Hallenstadion gemacht. Ein typisches James Blunt Konzert – schön, mitreissend und lustig. Vielleicht mit etwas weniger Geschichten und Jokes als auch schon.

So spazierte ich ohne Anstehen rund 1 Stunde nach Türöffnung und ca. 1 Stunde vor Konzertbeginn durch die Taschen- und Ticketkontrolle, holte mir mein Abendessen und ging sogar noch kurz zur Toilette. Dabei endete ich trotzdem ganz einfach in der 2. Reihe.

Wo ist denn das ganze Publikum? Glaubte ich erst, dass das Hallenstadion wohl ziemlich leer bleiben würde, merkte ich dann bald, dass ich mich da zum Glück geirrt hatte. Es war wohl nicht ausverkauft, aber trotzdem sehr gut besucht. Da waren Männer und Frauen in den ersten Reihen, die älter waren als ich. Daneben standen aber ebenso Teenie-Pärchen. Ein total gemischtes Publikum also.

Jamie Lawson und der traurigste Song ever

Der Britische Singer/Songwriter Jamie Lawson eröffnete den Abend. Ich hatte schon so viel von ihm gehört und gelesen, da war ich ganz aufgeregt ihn endlich mal live zu sehen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Mit „It’s Cold in Ohio“ startete er sein Set und fuhr darauf mit „Don’t Say You Love Me“ fort. Seine Lieder sind allesamt sehr ruhig, allesamt wunderschön. Zu dem einen oder anderen erzählte der Brite auch jeweils was dazu. Zu “The Only Conclusion” etwa, sei er durch Sheldon Cooper, dem Aushängeschild der US-Geek-Serie “The Big Bang Theory” (ja, auch eine meiner Lieblingsserien) inspiriert worden. Es war die Folge, in der Sheldon klar geworden war, dass die Gefühle zu seiner Freundin Amy eigentlich nur Liebe sein konnte.

Jamie Lawson ist der erste Künstler, den Ed Sheeran bei seinem „Gingerbread Man Records“ Label unter Vertrag genommen hat. Jamie’s Album „Happy Accidents“ wurde dann Ende September 2017 darüber veröffentlicht. Die erste Single, „Can’t See Straight“, habe er dabei mit seinem Boss geschrieben, der ja eben glücklicherweise Ed Sheeran sei. Klar, dass die Zuschauer wegen Ed jubelten. Ja, von Ed habe man das eine oder andere wohl schon gehört, winkte Jamie dabei nur grinsend ab.

Unter anderem bei „A Little Mercy“ liess er das Publikum fleissig mitsingen, damit unsere Stimmbänder dann bei James Blunt gut aufgewärmt seien. Und weil James Blunt bekannt für seine super traurigen Lieder sei, wollte Jamie mit “The Last Spark” ebenfalls einen Song in diesen Wettbewerb um „das traurigste Lied ever“ einwerfen. Man solle ihm doch nach dem Konzert am Merchandisestand dann mitteilen, ob ihm das so gelungen sei. Er war bestimmt nahe dran 😉 Aber urteilt doch selbst und hört es euch hier [Video ] an.

Mit “Wasn’t Expecting That” spielte Jamie das bekannteste seiner Lieder, bevor der sympathische Musiker sich schliesslich mit “Ahead Of Myself” verabschiedete und für James Blunt Platz machte.

James Blunt ganz persönlich

James Blunt und seine 4-köpfige Band legten mit “Heart To Heart” einen energischen,  mitreissenden Start hin. Im Hintergrund hing eine riesige LED-Wand auf der Grafiken und Musikvideos gezeigt wurden. Song für Song wurde von einer teils extensiven Lichtshow begleitet. Mit “I’ll Take Everything” sowie “Wisemen” folgten zu Beginn des Sets ebenfalls Lieder ab älteren Alben.

Rund 3,5 Jahre liegen zwischen dem letzten Album “Moon Landing” und seinem aktuellen Werk “The Afterlove”. James hatte sich immer länger Zeit genommen für seine Alben. Mit der Hochzeit und der Geburt seines Sohnes dazwischen hatte er natürlich speziell einen Grund sich diese Zeit zu nehmen. Man merkt dabei nicht nur am Albumtitel, was ihn offensichtlich inspiriert hatte, sondern hört das eben auch an einigen der neuen Songs.

In “Time Of Our Lives” singt er etwa über den Tag seiner Hochzeit. “Make Me Better”, eines der persönlichsten Lieder, schrieb er ebenfalls für seine Frau und seinen Sohn. Bei beiden Songs wurde er von Ed Sheeran unterstützt, der ihn dazu ermutigt habe sein Herz zu öffnen. Daheim in Verbier habe James während dieser Zusammenarbeit tagsüber Ed das Skifahren beigebracht. Abends lehrte Ed ihn das Songsschreiben. James’ Frau empfinde „Make Me Better“ als das romantischste Lied, das Ed je geschrieben habe, scherzte James. 😉

Ja, mittlerweilen wissen wohl alle, dass James nicht nur der schnulzige Schmusebarde ist, sondern Selbstironie liebt und manchmal einen ziemlich derben Humor hat. Man muss nur etwa seine Tweets verfolgen, über die die Medien ja auch bereits zu genüge berichtet haben 😉 Er kann aber auch mal ernst sein, was er etwa am neuen Song „Someone Singing Along“ zeigt. Auch wenn er bei der Ankündigung darüber witzelte, dass der Song ja eigentlich von US-Präsident-Trump handle, was er aber auf der US-Tour nicht habe erwähnen dürfen.

Auch wenn er rumalberte und seine Witze riss, ganz so gesprächig und witzig wie auch schon war James an diesem Abend in Zürich irgendwie doch nicht. Eigentlich schien er gegenüber den letzten Shows recht zurückhaltend. Naja, die Jokes mit der Ukulele, der “Mini-Gitarre”, vor “Postcards” oder dass “You’re Beautiful” ja eigentlich der totale Stalker-Song sei, hatte er halt eben schon bei den vorletzten Shows gebracht 😉

Ungeliebte Synthie-DJ-Beats

Viel wichtiger war dann allerdings, dass ich die Setlist sehr viel weniger schlimm fand, als befürchtet. Das heisst, mir gefiel seine Songauswahl im Allgemeinen sogar sehr gut. Das neue Album ist mit diesen Synthie-DJ-Beats nämlich schon teils sehr viel elektronischer geworden. Aber es gab schlussendlich dann kaum ein Lied, das mir nicht gefiel.

Die neuen Balladen sind genauso wunderschön wie die bisherigen. Zu meinen Highlights gehörten auf jeden Fall „Make Me Better“ und als er sich für „Goodbye My Lover“ allein ans Piano setzte. Erst gegen Ende kam der eine oder andere ungeliebte Song wie „Lose My Number“ oder “Bartener” hinzu. „Love Me Better“ spielte er glücklicherweise erst gar nicht.

Beim Robin Schulz-Song “OK” ergriff ich allerdings dann die Flucht. Der geht einfach GAR NICHT. Naja, dazu muss ich aber wohl erwähnen, dass ich spätestens einen Song danach eh hätte Richtung Bahnhof gehen müssen. Die Zugabe hätte ich so oder so  grösstenteils verpasst. 😉  Da fand ich, dass ich mir den definitiv  nicht weiter antat und verliess das Konzert vorzeitig. Ansonsten hätt ich den halt über mich ergehen lassen, denn die Zugabe wäre wieder mehr nach meinem Geschmack gewesen. Aber es ist halt, wie es ist.

Setlist (Quelle Setlist.fm):

Heart To Heart
 I'll Take Everything
 Wisemen
 Time Of Our Lives
 Heartbeat
 Someone Singing Along
 Goodbye My Lover
 High
 Lose My Number
 Carry You Home
 Postcards
 Make Me Better
 You're Beautiful
 Same Mistake
 Bartener
 OK

Don't Give Me Those Eyes
 Stay The Night
 1973
 Bonfire Heart

Ich freue mich trotzdem bereits auf ein nächstes Konzert von Herrn Blunt und seiner Band. Er ist halt ein toller Musiker mit Songs, die mir die meisten gefallen. Dazu ist er ein Charmeur und Witzbold. Einmal mehr war es ein schönes und solides Konzert, an dem ich am Ende ja nur wenig wirklich zu bemängeln hatte.

Auftritt am Stars in Town

Übrigens, bereits kurz nach Konzertbeginn kriegte ich eine E-Mail-Benachrichtigung, dass James Blunt nächsten Sommer am Stars In Town in Schaffhausen dabei sein wird. Zufall oder war der Versand genauso geplant gewesen? 😉 Ob das mein nächstes James Blunt Konzert sein wird, ist soweit aber nicht wirklich klar. Klar ist nur bereits die alljährliche Terminkollision während der Sommerfestival-Saison 😉

Tickets für ein nächstes Schweizer Konzert sind also bereits bei Ticketcorner im Verkauf. Alle anderen Konzertdaten findet ihr auf seiner Webseite: www.jamesblunt.com.

Die Infos zu Jamie Lawson findet ihr unter jamielawsonmusic.com

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