Kensington im Dynamo Zürich

Summend machte ich mich auf dem Heimweg. Meine Ohren dröhnten und klingelten dabei wie verrückt. Oh, das war keine gute Idee. Ich fühlte mich schier taub. Wie oft wollte ich mir bereits Ohrstöpsel anpassen lassen, so, dass sie jeweils schön die Lautstärke dämmen – hab ich natürlich immer noch nicht. Und mit diesen Gratisohrstöpsel hab ich an dem Abend nicht viel mehr als Bass und Drums gehört. Da mussten sie weichen. Nicht klug, nein. Und was ich damit sagen will? Gehörschutz an Konzerten ist unglaublich wichtig, der Sound war irgendwie in der Front nicht soo toll, aber super laut, und vielleicht steh ich beim nächsten Kensington Konzert doch eher hinten. Andererseits…

Kensington sind mit ihrem neuesten Album „Control“ auf Tour und machten Halt im Dynamo Zürich. Mein erster Besuch im Dynamo. Sein Standort ist super – nur rund 10min Fussweg ab Hauptbahnhof. Das Konzertlokal erinnert mich ein wenig ans Kiff in Aarau. Man steigt erstmal mehrere Stockwerke hoch, bis man in der grossen Halle steht. Weiter unten habe es noch einen kleineren Saal. Frontrow zu ergattern war super einfach.

„Fatherson“ eröffneten für die Holländer den Abend.  Sie sind eine Indie-Rockband aus Schottland, was man gut am Akzent des Frontmanns hörte, mit dem ich tatsächlich etwas Mühe hatte zu verstehen. Beim ersten Song hab ich grundsätzlich nur den Bass sowie die Drums gehört. Da es dann aber doch ab dem zweiten Song besser wurde, blieb ich, wo ich war. Fatherson, eigentlich ein Trio – Ross Leighton (voc, Gitarre), Marc Strain (Bass) und Greg Walkinshaw (Schlagzeug) – sind auf Tour mit zusätzlichem Gitarristen zu viert. Mit dem Supportauftritt bei Kensington starteten sie an dem Abend gleichzeitig ihre eigene Tour. Mit im Gepäck ihr 2. Album „Open Book“. Ein sehr energischer Auftritt, besonders der Drummer war voll in seinem Element. Ihre Musik gefällt mir, vor allem nachdem ich sie mir noch auf Spotify angehört habe. Das Album steht auf jeden Fall auf der *To-Buy*-Liste. Nur das Publikum schien irgendwie nicht so motiviert. „Es ist Mittwoch?!“ meinte meine Kollegin. Ähm, na und? 😉

In ihrer Heimat, in den Niederlanden, hat die Utrechter Band Kensington innert weniger Tagen kurzerhand 54’000 Tickets für 5 Konzerte im Amsterdamer Ziggo Dome verkauft (ca. selbe Grösse wie das Hallenstadion Zürich), wo sie im November auftreten werden. Hier in der Schweiz sind sie sich den Erfolg stetig am Erarbeiten.

Sie starteten ihr Intro und einer nach dem anderen betrat die Bühne. Aus den Boxen dröhnten hymnenartig die ersten Töne von „Regret“, worauf bereits ihr Ohrwurm „Do I ever“ folgte. Mitreissend, energisch und viel melodiöser als der erste Titel. Während sich Drummer Niles‘ Shirt bereits beim zweiten Titel verabschiedete, er mit nacktem Oberköprer hinter dem Schlagzeug sass, schwitze Frontmann Eloi im dicken Hoodie und Kappe. Zumindest zu Beginn waren die vier nicht sonderlich gesprächig, wirkten zurückhaltend und konzentriert.

Ein Song folgte auf den anderen. Der Sound der Indie-Rockband eindringlich und wuchtig, teils ziemlich pompös. Schnell verlor man sich in ihren Pop-Rock-Klängen. Sie ignoriereten ihr Publikum aber nicht etwa. Die Zuschauer wurden zum Mitsingen aufgefordert, wenn sie das eh nicht schon taten. Mitschreien so laut es geht, tanzen und springen. Dem einen Fan in den vorderen Reihen wurde zum Geburtstag gratuliert und Casper schnappte sich später auch gleich dessen Banner zum Vorzeigen -„Best Birthday Ever“. Ebenfalls versprach er der Frau neben mir, dass er ihren Autogramme-Wunsch mitbekommen habe und  ihn ihr gerne nach dem Konzert erfüllen werde. Grinste, er sei [so mitten im Konzert] halt eben gerade etwas beschäftigt. Für’s Gruppen Foto liessen sie das Publikum einander auf die Schultern sitzen.

Kensington rockten das Dynamo vor allem zu Titeln ab ihren letzten beiden Alben, dem aktuellen „Control“ sowie „Rivals“. Dabei durften natürlich aber auch die wunderschöne Ballade „Sorry“ nicht fehlen, wofür sich Casper ans Keyboard setzte. Und bevor sie in die Zugabe übergingen, liess Eloi den Saal während „Little Light“ in ein Lichtermeer verwandeln. Das sei wohl so ihr „Disclaimer“, meinte meine Kollegin bezogen auf den Yokko Song. Kensington tobten sich zum Ende hin damit nochmals richtig aus. Die 1,5 Stunden Konzert waren so zackig vorbei und nach den letzten 3 Songs der Zugabe verliessen sie unter tosendem Applaus  zackig die Bühne.

Wie gesagt, der Sound war zumindest vorn nicht so ideal, aber ansonsten war es erneut ein tolles Konzert und wir hatten super viel Spass. Und jetzt zähle ich die Tage bis zum Ziggo Dome Konzert. Jap, ich will unbedingt einmal den Unterschied zwischen Schweiz und ihrer Heimat erlebt haben. So, wie auch schon bei Kodaline. 274 days to go! Fährt jemand von euch auch nach Amsterdam?

Alle Infos und Konzertdaten zu Kensington findet ihr auf www.kensingtonband.com.
Infos zu Fatherson auf www.fathersonband.co.uk
Konzertvideos findet ihr in meinen Youtube-Playlist: Kensington

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