Schneefestival Zimmerwald 2017

Bereits zum 9. Mal fand an dem Samstagnachmittag das Schneefestival Zimmerwald statt. Naja, ein Schneefestival ohne Schnee, dafür hat das Wetter sonstige Kapriolen geschlagen. Auf jeden Fall war das Programm aber wie für mich gemacht: Die zwei Thuner Bands The two Romans und The Souls sowie die Zürcher Baba Shrimps spielten am diesjährigen Winteropenair.

The two Romans waren gerade am Soundcheck. Am Eingang wurden die Tickets gegen Papierbändeli eingetauscht. Wer kalte Ohren hatte, konnte sich eine der weissen Festivalmützen erstehen. Irgendwoher gabs sogar noch rote Bommelmützen. Da hab ich aber zu wenig drauf geachtet, wo die herkamen. Vielleicht Sponsorengeschenke?! Die letzten Vorbereitungen an Essens- und Getränkeständen wurden abgeschlossen und langsam fanden sich die ersten Besucher ein. Ganz nach dem Motto ‚klein aber fein‘ ist das Openair nicht riesig, aber richtig schön – also das Wetter jetzt nicht mitbeurteilt.

Das Openair

Zimmerwald, oder Wald, liegt nur wenige Kilometer von Bern entfernt, bei 840m über Meer auf dem Längenberg. Auf dem Schulsportplatz des rund 900 Seelendorfes stand die Bühne unter blauem Himmel. Eigentlich ursprünglich als einmaliger Anlass zur Vereinskassenaufbesserung gedacht, entwickelte sich das Schneefestival zum jährlichen Event. Bereits zum neunten Mal fand das Openair nun statt, an dem in vergangenen Jahren etwa Bands wie Open Season, Troubas Kater, Baschi oder auch Trauffer aufgetreten sind.

Mit meinem kleinen, gemieteten Smart machte ich mich auf den Weg und düste über Felder und durch Wälder, um das Festival nun auch mal kennenzulernen. Ich bewies mir an dem Nachmittag mal wieder selber, dass ich ohne Navi absolut verloren wäre. Thihi. Nicht weit von Belp gelegen und mit vom Veranstalter gesellten Schuttlebus, hätte das ja auch ganz gut mit dem ÖV geklappt. Aber es ist ein schöner Standort mit toller Aussicht. Davon schwärmten The two Romans dann auch während ihres Auftritts.

The Two Romans

Die Thuner Band The Two Romans starteten den Konzertetag. Das Publikum war noch nicht ganz so zahlreich, aber die wenigen, die da waren, durften eine energische, mitreissende Show erleben. Sie sind definitiv eine Band, die auf eine grosse Bühne gehört. Die ganze Energie, die von den beiden aus Italien eingewanderten Brüdern und ihrer Band ausgeht, braucht viel Platz. Wunderschöne harmonische Folkssongs, Balladen sowie Uptempo, über die Liebe und das Leben. Meisten zusammen mit der ganzen Band, standen sie für „I’ll be“ [Video hier] dann aber auch mal nur zu zweit auf der Bühne. Zweistimmig, wunderschön harmonisch, bevor fürs Songende die Band wieder hinzukam. Neben Titel wie diesem, „Vagabond“ oder meinen Favouriten „Time“ und „Light it up“, spielten sie einige neue Songs, die voraussichtlich im Herbst auf einer dritten EP erscheinen sollen. Das Publikum sowie Organisatoren waren sich kurz vor Ende ihrer eigentlichen Auftrittszeit dann auch absolut einig: Die drei verbliebenen Lieder auf der Setlist durften sie auf jeden Fall noch spielen, nein, sie mussten sogar.

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The Souls

Während wir zu dem Zeitpunkt noch davon überzeugt waren, dass das Wetter schon halten werde, gab es eine längere Umbaupause, bevor es mit The Souls dann weiterging. Aber je näher der Auftritt kam, desto dunkler wurde der Himmel und der Wind stärker. Wieso ist das Wetter eigentlich immer dann so unglaublich zuverlässig, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann? Der Wind zerrte bereits ganz schön an den Blachenwänden. Aber The Souls wären ja nicht The Souls, wenn sie das nicht einfach durchgezogen hätten.

„Wir fühlen uns hier gerade etwas wie in den 80ern“ lachte Gitarrist Michi. Die orkanartigen Böen verschafften der Band etwas unfreiwillig richtige Rockstareffekte. Haare und Schals vom Winde verweht…. Damit sich bereits nach den ersten paar Songs alle etwas aufwärmen konnten, schnappten sie sich die Gitarre und gaben ihr „Tandem“ im geheizten Vorzelt mittem im Publikum akkustisch zum Besten. Zurück auf der Bühne begann es dann bald zu schütten. Der Veranstalter war darauf vorbereitet und es wurden rote Pelerinen unter den Konzertbesuchern verteilt. Gut, der grösste Teil verzog sich dann trotzdem schnell ins Zelt und suchte Deckung. Aber die Hartgesottenen blieben, tanzten und rockten einfach im Regen weiter.

Wer hatte eigentlich gesagt, dass die Band auf ihrer überdachten Bühne grosse Töne spucken könne, was das Wetter betreffe? Ein Bisschen empört über diese Aussage waren sie schon. Total durchnässt, aber voller Elan und offensichtlich trotzdem mit viel Spass, hatten The Souls gar nicht vor, das Konzert etwa abzubrechen – komme was wolle. Sie spielten das Konzert mit gewohnter Setlist und endeten erst mit ihrer ‚Stadionhymne‘ „Run Baby Run“ [schaut euch mein Video dazu an], und das in bester Rockstarmanier.

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Ich hab dann zwar gehört, dass sich in den Pedalboards ziemliche Seelein gebildet hatten und beim Kippen Bäche flossen. Hui, ich hoff doch, die ganze Technik hat das überlebt…?!

Baba Shrimps

Einen Moment befürchteten wir danach, dass das Konzert von Baba Shrimps womöglich gar nicht mehr stattfinden würde, oder könne. Aber rund 30min später als geplant, hatte sich das Wetter beruhigt und die Bühne war bereit. Der Regen hatte aufgehört, der Wind hatte sich abgeflacht. Aber jetzt, wo das Wetter wieder einigermassen mitmachte, streikte natürlich die Technik. Mikros, die nicht funktionierten. Boxen, die nur einseitig ertönten. Der Fehler liess sich nicht ganz so schnell beheben wie erhofft und so stöpselte Frontmann Adi seine Gitarre aus, die drei kamen runter an die Absperrung und spielten zu Beginn ein unplugged Ständchen für die Zuschauer, bis es dann richtig losgehen konnte.

Die letzten Monate war es ziemlich ruhig um Baba Shrimps gewesen, die von nun an nur noch zu dritt unterwegs sind. Sie arbeiteten fleissig im Studio an ihrem Nachfolgeralbum und präsentierten an dem Abend bereits viele ihrer neuen Songs. Das Album soll im Sommer veröffentlicht werden. Der erste Vorgeschmack gibts aber bereits ab dem 24. März in Form einer neuen Single – „Road to Rome“, die sie uns vor Ort schon präsentierten.

Die Besucher hatten sich wieder unter den Dächern hervorgewagt und sich zum Abschlusskonzert des Schneefestivals zahlreich vor der Bühne versammelt. Mit ihren Hits wie „Europe“, „Back To Where The Light Is“ oder „I don’t wanna hide“ brachten Baba Shrimps nochmals alle zum Tanzen und sorgten dafür, dass allen schnell warm wurde. Das Ganze von einer richtig tollen Lichtshow untermalt. Und sollten Hände und Füsse doch noch gefrorren haben, war es bei wunderschönen Balladen wie „Calling out for you“ [schaut euch das Video dazu hier an] oder dem neuen „Letters“ zumindest um die Herzen rum warm.

Nach Ende des letzten Kozertes ging die Party vor allem im warmen Zelt noch weiter. Ich machte mich allerdings, doch etwas schlotternd und nach der warmen Stube sehnend, schon bald auf den Heimweg. März sei halt nicht so der ideale Monat für ein Openair, liess ich mir bereits früher am Tag sagen. Aber hey, das Wetter kann im Sommer genauso unberechenbar sein. Das Festival war mit allem Nötigen ausgerüstet und das nächste Mal zieh ich mir einfach noch etwas wärmere Schuhe an.

Es war ein richtig toller 1. Besuch am Schneefestival Zimmerwald. Wie hat es euch gefallen?

Alle Infos zu Festival und Bands findet ihr unter folgenden Links:
Schneefestival Zimmerwald
The two Romans
The Souls
Baba Shrimps

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