Seven in der Mühle Hunziken

Die Schlange bei der Essensausgabe war lang. Das Lokal füllte sich von Minute zu Minute immer mehr. Dann fehlte da noch dieses verflixte Zweifränkli fürs Schliessfach im EG. 😉 Da wird man schon etwas zappelig. Ok, da werde ich schon mal etwas zappelig. Auch, wenn es eigentlich noch rund eine Stunde bis zum Konzertstart dauerte. Aufregung, Vorfreude (auch auf die Mühli-Tasse) und gespannt war ich ja sowieso. Ich hatte Seven schon viel zu lange nicht mehr live gesehen.

Seven ist mit seiner 7-köpfigen Band und dem neuen Album “4 Colors” auf Tour. Seit 12 Jahren kommen sie immer wieder nach Rubigen und machten auch diese Woche Halt in der – gleich dreifach (!!) – ausverkauften Mühle Hunziken.

Von der Couch direkt an die Spitze

Seit Seven im Frühjahr 2016 als erster Schweizer auf dem Sofa der VOX Sendung “Sing meinen Song” Platz nahm, ging er von der Show-Couch direkt an die Spitze und durch die Decke. Da schaute man auf seinen Tourplan und dachte sich “boah, kommt er auch mal wieder bei uns auf Tour? Den geben sie (Deutschland) uns wohl nicht mehr her”… 😉 Mittlerweilen hatte er aber zum Glück bereits wieder so einige Shows bei uns gespielt.

Neben Songs von Teilnehmern wie BAP-Frontmann Wolfang Niedecken, The BossHoss oder Gastgeber Xavier Naidoo machte Seven besonders durch das Nena Cover von “99 Luftballons” in unserem Nachbarland auf sich aufmerksam. Dabei ist er bei uns in der Schweiz schon seit Jahren – genauer gesagt seit 16 Jahren –  als etablierter Musiker unterwegs, hat bis heute 10 Studioalben veröffentlicht und unzählige Konzerte gespielt.

Einmal quer durch Deutschland und über die Grenze

Zwei Fans waren extra aus Deutschland angereist, um ihr Idol live in “unserer” legendären Mühle Hunziken zu sehen. Sie haben sich dabei in Bern sogar noch ein rares Exemplar eines seiner ersten Alben gesichert. In Deutschland waren sie Seven bereits zwei Wochen lang quer durchs Land gefolgt und mit ihm auf Tour gegangen. Mal jubelten sie ihm zusammen mit “nur” 150 anderen Konzertbesucher zu. Mal waren es bis zu 2000 Zuschauer.

4-farbig durch den Abend

Das Licht ging aus. Das Sprech-Intro startete. Man solle die Augen schliessen, auf drei wieder aufmachen. Da sass Seven im Dunkeln und begann das Konzert mit “Don’t Help Me”. Der erste Teil des Konzertes, unter der Farbe “blue”, war damit, mit “Thank You Pain” und “Lisa” eher der traurige Teil. Der ging aber bald zum “Yellow”-Teil über und wurde mit dem neuen “I Can’t Wait For The Rain”, “City Of Gold” sowie einem meiner Favoriten, dem mitreissenden “Oh oh oh yeah”, sofort fröhlicher.

Das Cover vom Cover

So zogen sich die Farben seines neuen Albums “4 Colors” durch den Abend. Bevor es mit “Red” verführerisch wurde, spielte er eine neue Version des Songs “Go Slow”, den er vor 10 Jahren geschrieben hatte. Und zwar war das die Version, die Xavier Nadioo bei “Sing meinen Song” gesungen hatte, also eigentlich somit ein Cover vom Cover. Und weil man auf Covers antworte, folgte drauf auch gleich noch Xavier’s wunderschönes “Das hat die Welt noch nicht gesehen”, in der Seven-Version natürlich.

Rund zwei Stunden lang spielten Seven und die Band ohne Pause durch. Heizten dem Publikum dabei so richtig ein. Pause könne jeder für sich machen und sich Getränke an der Bar holen. Es drängten sich allerdings so viele Besucher so dicht vor die Bühne, da war das je nach Platz leichter gesagt als getan. Irgendwann lachte dann auch Seven, dass es zwar kalt draussen sei und somit richtig, dass geheizt werde, es langsam aber doch reiche.

Mit “Trick” und “Black Pearl” folgten weitere neue Songs, mit denen es in der roten Phase des Konzertes erotisch und verführerisch wurde. Letzteres hatte er für seine Frau geschrieben.

Wie im Bandraum – nur besser

Die Band hatte nicht nur während “Wake Up” mit den ganzen Soli und Improvisationen noch mehr Spass als etwa im Proberaum, sondern während des ganzen Konzertes. Mal standen Saxophonist Alex Hendrixsen oder Trompeter Lukas Thöni im Vordergrund. Dann liess Raphael Jakob seine Gitarre aufheulen und Rose ihre flinken Finger über die Tasten gleiten. Ein Drumsolo durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Dabei schweiften sie auch mal in den Jazz ab und liessen sich von ihrem Sound davon tragen.

Mit der letzten Farbe “Purple” drehten alle nochmals richtig auf und es folgte ein Highlight nach dem anderen. Seven sang in “1978” nicht nur über all das und diejenigen, die ihn zu dem machten, was er heute ist, sondern zollte mit “Brave” Prince direkt seinen Tribute. Mit “Partytown” liess er im Duett mit Keyboarderin Rose die Mühli am Ende fast noch überkochen. Da tanzten auch die sitzenden Zuschauer ganzen hinten auf ihren Stühlen.

Mal gab Seven der ehemaligen Prince-Tastenfrau (auch bekannt als RAD: lest über ihr eigenes Trio-Konzert hier) Spiel-Anweisungen und -vorschläge, mal verschwand er von der Bühne, um hinten am Mischpult wieder aufzutauchen. Zurück auf die Bühne ging es dann ganz einfach tanzend mitten durchs Publikum.

Er mache Musik wie sein Herz und “Schnurre” gewachsen seien und das hatte er an diesem Abend wieder einmal mehr als deutlich bewiesen. Sein Motto “Jeden Tag als wäre es der letzte”, lebte er mit seinem Song “What If” nochmals richtig vor und berührte die Herzen der anwesenden Musikliebhaber mit seinen Worten. Mit “High” wurde das Ende des Konzertes aber dann nochmals richtig ausgelassen gefeiert, Band-Choreo inklusive.

Einmal mehr war seine Show energisch, leidenschaftlich, bunt und super funky. Einfach wieder ein riesen Spass.

Autogramme unter Bedingungen

Wer Lust hatte, konnte sich danach noch gleich Seven’s neues Album kaufen gehen – oder es halt illegal runterladen. Ihm sei das eigentlich egal, versicherte er bereits während der Show. Hauptsache alle haben es. Er stellte aber klar, dass es Autogramme nur auf tote Sachen geben würde – und witzelte, Gemüse sei ebenfalls ausgeschlossen… Ähm, ich hab der Einfachheit halber das Album gekauft und ihn darauf unterschreiben lassen. Kann ich euch also empfehlen 😉

“Die Menschen sind wir” und “Trick” sind bis jetzt übrigens meine Favoriten auf “4 Colors”. Was sind eure?

Seven’s nächste Konzertdaten findet ihr auf www.sevenmusic.com. Neben ein paar wenigen Clubshows folgt schon bald die Festivalsaison.

 

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