Snowpenair 2016

„Tu mal nicht so, ist doch nicht so schlimm, wenn der geht!“ – „Er kann ersetzt werden, es ist ja nur der Gitarrist!“ – „Mit all den Synthies hatte er eh ja kaum noch was zu tun“ oder „Es bleibt ja gleich“ durfte ich mir in den letzten Monaten sagen lassen, wenn es ums Thema ging, dass sich die Wege von Pegasus und Gitarrist Simon Spahr bald trennen werden. Diese Aussagen kommen aber natürlich nicht von Leuten, die seit mindestens 7 Jahre Pegasus-Konzerte besuchen, dutzende Shows über die ganze Schweiz oder darüber hinaus gesehen haben, hunderte Kilometer damit für die Band gereist sind und definitiv mehr als eine Albumveröffentlichung miterlebt haben. Weil nach so vielen Jahren und all den Erlebnissen kann definitiv kein Bandmitglied einfach ersetzt werden. Aber an dem Samstag war es dann eben soweit – das letzte Konzert mit Simon, das letzte Konzert in dieser Form. Das erste Pegasus Konzert, auf das ich mich definitiv nicht freute.

Es fand an diesem Samstag bereits zum 19. Mal das Snowpenair auf der kleinen Scheidegg statt. Dieses Jahr wieder ausverkauft und das sogar seit Februar. Somit reisten tausende Besucher bereits früh hoch in die Berge, gut gelaunt, eingepackt in Skihosen, dicke Winterjacken und Schneeboots. Trotz dass es sehr windig war und noch ziemlich bedeckt, schien die Laune auf der Touristenplattform sehr gut. Bei der Mehrheit auf jeden Fall. Aber auch kein Wunder bei dem Line-Up. Auf dem Programm des ausverkauften Schnee-Openairs standen Container 6, Pegasus, Patent Ochsner und die Fantastischen Vier.

Sascha Rufer kündete wie in den letzten paar Jahren auch dieses Mal wieder die Bands an und warnte von Beginn weg: Wenn der Wind zu heftig werde, würden sie das Openair frühzeitig abbrechen müssen. Deshalb war das Gelände auch so unglaublich leer. Keine Banner und Fahnen, oder andere Dinge, die umgeworfen und weggeweht werden könnten. Das Gelände war sturmfest gemacht worden. Ich kämpfte gegen eine Grippe und war an dem Tag nicht sonderlich fit. Was natürlich das Ganze definitiv nicht besser machte. Aber das letzte Pegasus Konzert mit Simon konnte ich auf keinen Fall verpassen.

Container 6, eine vierköpfige Lokalband aus Meiringen, eröffnete gegen 11 Uhr das diesjährige Snowpenair. Das Gelände war zu dem Zeitpunkt noch recht leer, sie lockten das ankommende Publikum aber schnell mit ihrem „Mundie-Rock“, Mundart Indierock, an die Bühne ran. Mein Fall waren sie schon letzten Herbst bei der Deepdive Music Night nicht wirklich. Ich war trotzdem zu Konzertbeginn gekommen. Das Risiko bei der Menschenmasse dann nicht rechtzeitig zum Pegasus-Konzert aufm Berg zu sein, war mir zu gross. Ok, Container 6 haben einige ziemlich witzige Texte und konnten ja die Mehrheit mit Songs wie „Nid allei“ oder „Besti Zyt“ gut mitreissen und auf den Tag einstimmen. Sie hatten für ein Lied auch MC Juli als Gast mit dabei und die Mützen, die sie während ihres Konzertes ins Publikum verteilten, waren heiss begehrt. Naja, aber eben nicht wirklich meins.

Die restlichen Bands waren mir sehr viel lieber. Pegasus spielten dann als zweites. Sie hätten es wohl erst fast nicht geschafft. Da posteten sie am Morgen noch, dass der Reifen ihres Autos geplatzt sei. Mussten also erst noch einen Zwischenstopp in der Wekstatt einlegen. Trotzdem standen sie aber dann pünktlich auf der Bühne und starteten das letzte Konzert mit Simon. Viele Fans hätten sich ja ein eigenständiges, komplettes Pegasus-Konzert als letztes Konzert gewünscht. Eine richtige Verabschiedungsparty… Von Pegasus‘ Seite her wurde an dem Tag nichts mehr erwähnt, dass es das letzte Konzert in dieser Form war. Aber so sei es, ist wohl halt mehr so ein Fan-Ding…Fans hängen halt an ihren Lieblingsbands, an jedem einzelnen Bandmitglied darin. Immerhin hatten es Pegasus vorab auf Facebook mitgeteilt, dass Simon geht. Bei manchen Bands fehlt einfach plötzlich jemand und wurde ersetzt. Es ist ja nicht, dass man als Fan das nicht versteht, wenn jemand geht. Wenn’s nicht mehr passt, passt es nicht mehr und man muss tun, was für einen richtig ist – nicht für die anderen.

Pegasus starteten ihr Konzert – das höchste, das sie je gespielt haben – wieder mit „Digital Kids“ und für die rund einstündige Show folgte die gewohnte Festivalsetlist – „Raise A Hand“ gefolgt vom Drumsolo, „Man On Mars“ oder auch der JRZ-Song „Streets Of My Hometown“. Die fünf schienen Spass zu haben. Der Hut, der ursprünglich Bassist Gabriel trug, wurde irgendwann rumgereicht bis ihn alle mal auf hatten und verlangten Pegasus, dass das Publikum bei „Technology“ mit sprang, tat das der grösste Teil der Zuschauer auch. Bei „Easy“ folgte natürlich wieder die Bandvorstellung. Ein letztes Mal, dass Noah sagen konnte: „… und wir drei sind zusammen aufgewachsen, an derselben Strasse…“ und zukünftigt braucht er etwa einen neuen Spruch bei „Last Night On Earth“. Kein „Elle“ mehr, bei dem Simon die Leadparts übernimmt. „Rock’n‘ Roll Music“, das wir bei der letzten Tour so liebten, fällt weg. Seine Gitarren-Soli werden fehlen und überhaupt… Das Snowpenair-Konzert war für so ein letztes Konzert einfach definitiv viel zu kurz. Am Ende verabschiedeten sich einige Fans mit selbstgemalten Banner und Geschenken von Simon. Wer Anstelle von ihm jetzt spielen wird, ist zumindest mir bis jetzt nicht bekannt. Keine Ahnung, ob sie das selber schon geklärt haben? Das nächste, bis jetzt bekannte, öffentliche Konzert wird ja auch erst im Sommer am Moon & Stars in Locarno stattfinden.

Patent Ochsner, als Schweizer Kulturgut angekündigt, waren die 3. Band des Tages und natürlich von vielen sehnlichst erwartet und gefeiert. Bevor das Konzert startete, meldete sich mein Magen und bei allen anderen offensichtlich auch. Die Menschenschlangen vor den Ständen waren ewig lang. Aber ist klar, dass sobald ein Konzert zu Ende ist, alle zu den Essens- und Getränkestände rennen. Bei so vielen Konzertbesuchern kann das schon mal dauern. Ich hoffte, es reiche bis zu Konzertbeginn, aber stand halt bei Showstart noch einen Moment. Aber am Snowpenair kommt man immer sehr leicht noch bis ganz vorn. Frontmann Büne Huber machte wie gewohnt seine Spässchen und vollführte seine Tänzchen. Hits wie „W. Nuss vo Bümpliz“ und „Scharlachrot“ durften natürlich nicht fehlen, bei denen wie immer alle mitsangen. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht so ganz in Stimmung für, aber trotzdem mochte ich ihr Konzert hier lieber als etwa letzten Sommer am Gurtenfestival. Songs wie „Sunny Side up“ und „Ausklaar“ ab dem neuesten Werk „Finitolavoro“ waren natürlich auch mit dabei – ok, die Gäste vom Gurtenfestival fehlten schon ein Bitzli. Und als Zugabe gab es dann noch den „Gummiboum“.

Mein persönlicher Favourite an dem Tag waren dann aber die Fantastischen Vier. Die Crew gab alles um die Bühne schnellstmöglich bereitzustellen, damit sie etwas früher starten konnten. Der Wind sollte gegen später am Abend immer bedrohlicher werden und die Veranstalter wollten den Event ohne frühzeitigen Abbruch beenden können. Die vier Quasseltanten schafften es schliesslich mich aufzuheitern. Gut, eigentlich sind ja vor allem Smudo und Michi die, die immer viel zu sagen haben. Thomas D geht gut mit, aber Andy steht jeweils mehr im Hintergrund. Sie wurden von ihren Fans richtig gefeiert. Einige hatten Fan-Schals und -artikel mit dabei. Immer wieder kamen aus dem Publikum Chupachups zu Thomas D geflogen. Auf 25 Jahre Bandgeschichte kann das Quartett bereits zurückschauen und es gab an dem späten Nachmittag kaum einen Song auf der Setliste, den nicht auch die Allgemeinheit kannte. „Sie ist weg“, „Gebt uns ruhig die Schuld“, „MfG“, „Die da“ und natürlich „Troy“ sang das Publikum Wort für Wort mit. Sie spielten Hit auf Hit. Für „Tag am Meer“ setzten sie sich dann zu dritt an den Bühnenrand und es wurde auch mal etwas ruhiger. Aber meistens sprangen und hüpften die drei wie Wilde über die Bühne. Thomas D zog sich sogar bald mal die Jacke aus und rannte im ärmellosen Shirt rum. Mitten im Konzert fand Michi dann ein Pegasus-Pleck, erwähnte, dass es ja das letzte Konzert vom Gitarristen gewesen sei und verschenkte es in die Menge. Darauf wurden Pegasus noch ein paar Mal von ihnen erwähnt. Das Fanta 4 Konzert hat also nicht nur musikalisch super viel Spass gemacht, sondern sie hätten noch lange vor sich hin quatschen können. Das Konzert war total unterhaltsam. Am Ende verlangte das Publikum noch Zugaben, aber die Band sass bereits zum Abschied winkend auf dem Pistenfahrzeug. Ein Bisschen enttäuscht waren dann die Zuschauer wohl schon, aber nach so einem Konzertetag hielt das nicht allzu lange an.

Langsam gings somit wieder Richtung Tal. Hatte ich mir schon nach dem Pegasus Konzert überlegt, bereits heim zu gehen, weil mein allgemeines Befinden nicht so gut war, war ich doch froh, dass ich geblieben war und durchgehalten hatte. Einerseits war es das „schlimmste“ Snowpenair, an dem ich bisher war, anderseits aber halt echt gut. Vom Programm her, vom Publikum und der Stimmung her einiges besser als etwa letzten beiden, an denen ich war (auch wenn ich mein 1. komplettes Ronan Keating Konzert total liebte). Und was Pegasus betrifft, da heisst es halt nun wohl Abwarten und Tee trinken, oder so ähnlich… und Simon, alles Gute für die Zukunft!

Youtube-Playlists:
Container 6
Pegasus
Patent Ochsner
die Fantatischen Vier

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Offizielle Webseiten:
container6.ch
www.pegasustheband.com
www.patentochsner.ch
diefantastischenvier.de

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