The Souls im Bierhübeli Bern

Als die Band hinter der Bühne verschwand, die Saallichter angingen, der letzte Ton des letzten Liedes verstummte, konnten wir kaum glauben, dass alles bereits vorbei war. Wirklich schon fertig? Es war in dem Moment schwer das Ende zu akzeptieren. The Souls haben an dem Freitagabend im ausverkaufen Bierhübeli in Bern ihr neues Album „Eyes Closed“ gefeiert und bin immer noch total geflashed von.

Am 26. Augst haben The Souls ihr 1. Album „Eyes Closed“ veröffentlicht. Okay, es 1. Album zu nennen, find immer ein wenig verwirrend, weil ich ja eigentlich – neben ihrer EP-Triologie – bereits ein Album der Band habe. Aber ok, unter dem alten Namen noch (den sie vor rund einem Jahr geändert haben), was für mich eigentlich nicht gross einen Unterschied macht. Aber wie auch immer, „Eyes Closed“ stieg auf jeden Fall direkt auf Platz 3 in die Charts ein. Absolut verdient, was die Thuner Band nun an ihrer Releaseshow einmal mehr bewies. Episch ist wohl das Wort, das das Konzert, der ganze Abend, am besten beschreibt. Oder was meint ihr? Doch! Auf jeden Fall verliess ich das Konzertlokal mit genau solch einem Gefühl.

Auch wenn es noch nicht so lange her war, seit ich The Souls zu letzt live gesehen hatte, es fühlte sich ewig an. Die Vorfreude dementsprechend gross. Als ich das Lokal kurz nach Türöffnung betrat, entdeckte ich bereits viele bekannte Gesichter im Publikum. Es waren so viele Leute da, die ich kannte, da war ich echt fast ein wenig überfordert. Haha. Und wen wollte ich noch unbedingt treffen und sehen? Schlussendlich bin ich nicht mal allen über den Weg gelaufen. Aber die erwarteten Mädels in der ersten Reihe hatten sich schon positioniert und waren bereit für die Souls. Ich checkte noch den Merchstand. Habt ihr das wunderschöne handbedruckte Merchandise, also T-Shirts und Gymbags gesehen?

Die Thuner Musikerin Veronica Fusaro eröffnete mit ihrer Band den Abend. Als sie mit „Come To Naught“ starteten, konnte man sie leider erst kaum verstehen. Der Sound war während den ersten 2-3 Songs nicht gerade gut. Und das Geschwätze aus dem hinteren Teil des Lokals half dabei natürlich auch nicht. Ich würde mir ja wünschen, dass solche Leute einfach zuhause blieben. Sollen sie sich irgendwo ausserhalb des Konzertlokals in einer Bar unterhalten gehen. Aber echt! Gut, wurde der Ton besser und man verstand dann auch, was sie sang. Und sie liess sich auch nicht davon irritieren, dass es so laut war im Saal. Mir gefielen nicht ganz alle Songs die sie spielten, war aber trotzdem schwer beeindruckt und begeistert. So selbstsicher und voller Elan wie sie da auf der Bühne stand, ihre Songs präsentierte, die Band vorstellte und durch die ganze Show führte. Der absolute Profi. Dabei ist sie noch keine 20 Jahre alt. Und natürlich ganz wichtig: Sie hat ne tolle Stimme! Das bewies sie auch besonders beim Cover „Wayfaring Stranger“, das sie allein mit einem Bisschen Hilfe eines Loopers sang. Aber sie spielten nicht etwa nur Covers. Sie hat viele eigene Lieder wie etwa „Dragon“ oder „Pluto“. Ja und ein Bisschen neidisch auf ihre tollen Haare waren wir übrigens auch.  Ein wirklich toller Start in diesen Abend.

Es folgte eine kurze Umbaupause. Der Vorhang wurde geschlossen. Was hatten die bloss vor? Nicht allzu viel später begann aber bereits das Intro und der Vorhang öffnete sich wieder. Die Band hatte sich positioniert: Domi am Schlagzeug, Rally am Keyboard, Rease am Bass, Michi und Luk an den Gitarren und Frontmann Jay am Leadgesang. Im Hintergrund hing das Auge vom Albumcover, das in der Dunkelheit immer wieder aufleuchte, blinzelte. Ich geb zu, bevor mir das nicht gesagt wurde, hatte ich das mit dem Blinzeln nicht verstanden, aber das Auge an sich und der Lichteffekt sahen toll aus. „Do you know, where my heart is? Do you still know, what it needs? To feel light hearted, to feel happy“ – mit Silver Rain, dem ersten Titel auf dem neuen Album legten sie einen fulminanten Konzertstart hin. Mit seiner wahnsinns Stimme macht einen Jay immer wieder sprachlos. Und das Publikum war auf einen Schlag absolut bei ihnen. Das steigerte sich auch mit jedem Lied ein Bisschen mehr. Mit einem tollen Mix aus ihren neuen und älteren Lieder begeisterten sie das durchmischte Publikum. „Ask Me“ und „Tandem“ folgten, bei dem vor allem beim letzteren das Publikum textsicher mitsang. Man merkte gut, welche Lieder bereits am Radio gespielt wurden oder das Publikum allgemein gut kennt. Das neue „Stay“ ging in ein mitreissendes Drumsolo über, bevor sie mit der aktuellen Single „Fighting in the moonlight“ weitermachten.

Nach „Heart in my hands“ und all ihren anderen eigenen Songs,  spielten sie schliesslich mit „Gimme Something Good“ von Ryan Adams ein richtig cooles Cover. Der Song habe sie vor allem in der Zeit in LA begleitet. Er passt super zu ihnen und könnte doch glatt von ihnen selber sein. Damit dachte ich schon, dass vielleicht sogar noch ein weiteres Cover folgen könnte, aber das blieb das einzige. Es folgten elektrifizierende Gitarrensoli. Die wunderbaren Harmonien und Jay’s unglaubliche Stimme verursachten regelmässig Gänsehaut. Wenn sie zwischendrin von ihrer Zeit in LA, den Reisen in die Ukraine oder Singapur erzählten, konnten sie es selber scheinbar kaum fassen, was sie bereits erlebten und momentan vor allem erleben. Da geht einem als langjähriger Fan und Supporter so richtig das Herz auf.

Bei „Live“, neben „Silver Rain“ mein absoluter Favourit auf dem neuen Album, holte Michi die doppelte Gitarre wieder raus. Mit jedem weiteren Lied wurde man noch ein Bisschen mehr geflasht und in die Begeisterung wuchs stetig. Mit „Lines in the sand“, „Promised Land“ und „Cry“ kam das Ende dann aber schon näher. Nach „Whole“ verliessen die Band die Bühne und es wurde einem schlagartig klar, dass das Konzert wohl bald fertig sien wird. Da war die Zeit eindeutig zu schnell verflogen. Aber es gab noch einige Zugaben: Rease und Jay betraten zu zweit die Bühne. Rease setzte sich ans Keyboard. Das hatten nicht erwartet, kennen wir ihn doch nur am Bass. Die beiden spielten „Stars“ in ihrer Ursprungsversion, ganz so wie das Lied entstanden sei und man es auch auf dem Album findet. Nur sie beide, eingetaucht in sanftes Licht mit genau so sanften Klängen. Das ging total unter die Haut. Die komplette Band kam darauf für „Close My Eyes“ zurück und beendete das Konzert schliesslich mit „Run Baby Run“. Nach Michi’s vorangehender Danksagung gabs beim Publikum auch kaum mehr ein Halten. Die Stimmung, die sich während des Konzertes immer mehr aufgebaut hatte, explodierte förmlich. Es war unglaublich. Alle sangen mit, jubelten, klatschten, schrien und pfiffen.

Gerne hätte man nochmals eine Zugabe gehört, aber das Saallicht ging darauf an. Im ersten Moment war ich über das Ende tatsächlich so betrübt, wie lange nicht mehr. Aber das drehte sich wieder noch bevor die Bierhübeli-Security uns bereits vor 00:30 Uhr vor die Tür setzten. Ja, so ne Aftershow-Party, wie damals im Dachstock, hatte schon ein wenig gefehlt. Zuhause sass ich dann auch erst noch eine Weile auf dem Sofa und liess alles wirken. Das nächste Konzert kann gar nicht bald genug kommen. Eben ein total epischer Abend war das!

Die Konzertdaten findet ihr auf www.thesouls.ch

weitere Videos gibts in der Youtube-Playlist The Souls

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