The Souls in Berlin

Wenn deine Bands nicht daheim Konzerte spielen, dann gehst du halt dorthin, wo sie das tun – auch wenn das eine Reise in die deutsche Hauptstadt – nach Berlin – bedeutet. Dort traten The Souls und Neil Thomas an der 1. Visionary Collective Night auf und ich bin kurzerhand hin geflogen.

Das war nur ein ganz kurzer Trip. Am Tag des Konzertes hin und am nächsten Tag wieder zurück. Warum? Weil es Spass macht und ich es kann. Die Billigairlines bieten teils echt günstige Flüge an und in Hostels, wie das Plus Berlin, übernachtet man grad mal für €15 in einem 4er Zimmer, inkl. Badezimmer, fast wie im Hotel. Berlin ist ne tolle Stadt. Die Vibes, das geschichtliche mit dem Modernen vermischt, total Multikulti und sehr locker. Ich war noch nicht sehr oft da, aber flieg immer wieder gerne hin.

Meine Erwartungen ans Konzert hatte ich sicherheitshalber mal runter geschraubt. Also eigentlich nicht an den Bands – zumindest nicht an den Souls – aber halt allgemein so wegen Stimmung, dem Publikum… Dienstagabend mit unbekannten Bands stellte ich mir nicht viel anders vor als bei uns in der Schweiz. Und der Dienstag sei in Berlin tatsächlich etwa wie der Montag in der Schweiz. Also eher ausgestorben und nicht viel los. Ich war aber positiv überrascht.

Der Privatclub ist ein kleiner Klub an der Skalitzer Strasse in Berlin, im Kreuzberg Areal, mit Bar und einer kleinen Bühne. Gleich beim Eingang steht eine gemütliche Sitzecke. Den einen Sessel hätt ich echt am liebsten mit heim genommen. Es hat im Klub auch ein extra Raucherzimmer, was eigentlich nicht viel Sinn macht, wenn die Tür sperrangelweit offen steht und die Leute dann auch vor der Bühne rauchen. Gibt’s eigentlich kein Raucherverbot in Deutschland wie hier in der Schweiz? Ja, richtig, ich mag dieses Raucherverbot hier aus vielen Gründen… Also, der Klub war jetzt nicht super voll, aber es sind einige gekommen und haben den Bands auch mehrheitlich wirklich zugehört. Ziemlich viele Schweizer waren da, ich wohl aber etwa so die einzige, die jetzt extra aus der Schweiz reingeflogen war.

Neil Thomas ist ein Musiker aus UK. Er betrat ganz in schwarz mit knallroten Turnschuhen und seiner Gitarre die Bühne. Etwa nach dem 2./3. Song meinte er, dass er normalerweise viel zu viel rede und somit jetzt erst mal spiele. Er stellte sich und sein Begleiter, Multiinstrumentalist Ben Jones, dann erst später etwas vor.
Neil Thomas hatte die ersten Gitarrenakkorde von seiner Mutter gelernt, gewann dann aber erst mal die British Human Beatbox Championship, bevor er irgendwann zum Songwriting kam. Daraus entstand dann seine EP „Home“. Ich fand ihn ganz gut, live vor allem besser als auf der EP. Er erinnerte mich plötzlich etwas an Nick Howard (The Voice of Germany) – von der Art her ein Bisschen oder so. Was Ben Jones betrifft: Wie ich hinterher gelesen habe, hatte er schon mit Grössen wie Mary J. Blidge, Kelly Rowland und Westlife gespielt. Ich hab noch nicht rausgefunden, ob ich ihn je bei Westlife gesehen habe.
Es war ein eher ruhiges Konzert bei dem sie während ca. 40min Songs wie „Close To Your Heart“, „Waterline“ oder eben „Home“ spielten.

Darauf wurden dann The Souls vorgestellt. Ich musste ein klein wenig schmunzeln ab der ganzen Ankündigung. War irgendwie schon etwas ausgeschmückter und grösser gemacht, als dass ich es jetzt erwartet hätte. Aber hey, voll okay, schliesslich stellten sich The Souls auch da in Berlin auf die Bühne und hatten das Publikum im Nu rumgekriegt. Sie begannen ruhig mit dem neuen Song „Close My Eyes“ und gingen zu einem ersten Favoriten von mir über – „Ask Me“. Sie spielten sehr viele neue Songs an dem Abend. Und ja, es ist schon etwas gemein, aber auch 77 Bombay Street spielten nämlich ihre neuen Lieder im Ausland lange bevor wir es bei uns zu hören kriegten.

Anders als erwartet stand da in Berlin das Publikum nicht einfach so rum, sondern eine kleine Gruppe vor der Bühne fing von Anfang an zu tanzen und das Ganze wurde mit jedem weiteren Lied etwas wilder. Sie spielten „Lines in the Sand“ und „Tandem“, worauf mit „Fighting in the moonlight“ eine ‚Live-Premiere‘ folgte und mein Herz für einen Moment fast stehen blieb. Es macht so viel Spass Songs zum 1. Mal live zu hören. Und falls ihr letztes Jahr am Kinoevent dabei wart, wisst ihr, dass das der letzte Song war, den sie in den USA noch geschrieben hatten. Der macht live so richtig viel Spass, da kann man nicht einfach still stehen bleiben. Es fingen immer mehr Zuschauer im Raum an mit zu wippen und die Stimmung war wirklich sehr schön in dem kleinen Klub. Es folgte ein zweiter Favorit von mir – „Live“. Der hat bei mir mittlerweilen eigentlich so „Run Baby Run“ abgelöst, das ebenfalls nach „Silverrain“ noch als letztes Lied folgte. „Live“ macht einfach super viel Spass. Ja, und weil man die Souls nun nicht einfach so ohne Zugabe gehen lassen konnte, stellten sie sich zum Abschluss noch mitten ins Publikum und sangen „Nowhere Man“.

Es war echt ein toller Abend und wie ich hörte, kamen vor allem auch The Souls beim Publikum sehr gut an. Okay, eigentlich haben wir nur über The Souls geredet und ich hab keine Ahnung, was die Leute über Neil Thomas Konzert dachten. Allzu spät wurde es dann nach Konzertschluss nicht mehr. Und am nächsten Tag bin ich dann wieder zurück nach Hause geflogen und The Souls weiter nach London. Der nächste Trip ins Ausland steht bestimmt aber schon bald an.

Offizielle Webseiten:
www.neilthomasmusic.com
www.thesouls.ch

 

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