Tom James in Bern

Ok, ja, der Herbst hat auch seine guten Seiten: Am Sonntagabend im Musigbistrot Bern sitzen, schön warm im Kuschelsaal in der Ecke mit gedimmten Licht, immer noch den Geschmack des Starbucks-Kaffees auf der Zunge – und mit der Musik von  Tom James! Gut, dass da ein Tisch war zum Festhalten, ich wäre wahrscheinlich bereits beim ersten Lied vom Stuhl gefallen. I kannte nur 1 Song von Youtube, aber der war live sogar noch besser.

Normalerweise ist das Musigbistort Sonntags nicht geöffnet, aber für Tom James machten sie eine Ausnahme. Immerhin war er auch beretis das zweite Mal da. Ich kannte ihn bisher nicht wirklich, sein Booker hatte mir vor Ewigkeiten von ihm erzählt. Er ist ein britischer Musiker aus Cornwall, der mit 22 Jahren bereits als Guitarenviruose galt und die wichtigsten UK Festivals gespielt hatte. Ich hatte nur ein Lied auf Youtube gehört, „Blood To Gold“. Das Lied gehört zu denjenigen, die einen emotional so berühren, dass man einfach losheulen möchte. Naja, im positiven Sinne, wie „Let It All Go“ von Birdy feat. Rhodes oder „Wildfire“ von Seafret. Einfach so unglaublich schön! Und jetzt funktionierte es endlich mit einem Konzertbesuch.

Es kamen mehr Besucher als erwartet, das Konzertlokal war vollgepackt. Meine „1-Stunde-vor Konzertbeginn-vor-Ort“-Regel bewährte sich mal wieder. Naja, ich hatte nicht bedacht, dass ich zu nahe sitzen würde wegen dem Schlagzeug. Aber es war nicht schlimm und der Sound auch in der Ecke in Ordnung. Long Tall Jefferson eröffnete den Abend. Der Schweizer Musiker Simon Borer, den ihr auch als Guitarrist bei Pablo Nouvelle antrefft, erzählt seine Lieder mit seiner Akkustikgitarre und Mundharmonika durch seine Songs: Über eine Frau in Manchester, in die er verknallt war, die aber bei seiner Rückkehr plötzlich weg war. Darüber, dass mal einen schlechten Tag zu haben, völlig okay sei. Aber er singt auch über sehr bedeutungsvolle und tiefgründige Themen wie Krieg und Flüchtlinge in der Vergangenheit und heute. Ich mag andere Musiker sicher lieber, aber es war ganz gut. All seine Lieder findet man auf seinem Album „I Want My Honey Back“.

Nach einer kurzen Umbaupause setzte sich Tom James mit seiner Akkustikgitarre auf die Bühne und begann den ersten Song zu spielen. Er sass nicht da und spielte seine Gitarre, wie man das kennt und erwartete. Nein, er legte sie flach auf seinen Schoss, zumpfte die Saiten, benutzte den Gitarrenkörper ebenfalls als Trommel. Er kreierte unglaubliche Resonanzen. Und dann zusammen mit dem Gesang, seiner wunderbaren rauen Stimme, machte mich erstmal atemlos. Wunderschön! Nach ein paar Liedern kam Drummer Jens dazu und alles kriegte mehr Schwung. Tom griff da zur E-Gitarre.

Und während ich da sass, ihnen zuhörte, realisierte ich plötzlich wie ungewöhnlich still das Publikum war und wie genau sie zuhörten. Naja, es gibt immer Ausnahmen, aber grundsätzlich hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Die ganze Atmosphäre war zauberhaft! Beide Musiker waren allerdings etwas irritiert von der Stille, wie mir Jens nach dem Konzert erzählte. Sie wussten einfach nicht, wie die extreme Stille zu werten sei. Ich behaupte aber positiv! Das Publikum genoss einfach den Sonntagabend mit ihnen und ihrer Musik – die eigenen Lieder oder auch mal Cover von Bonnie Raitt. (Ganz ehrlich, ich hatte aber keine Ahnung wer Bonnie Raitt ist). Es gb auch Lacher dazwischen. Wenn Tom über seine Erlebnisse erzählte, dabei so gut wie möglich versuchte Deutsch zu sprechen, einige technische Fehler und Missgeschicke heraushob und sich im Witzeerzählen versuchte. Und am Ende wurden sie für zwei Zugaben rausgeklatscht. Das wäre wohl nicht passiert, hätte es dem Publikum nicht gefallen. Wenn’s um mich ginge, dann hätten sie noch Stunden weiter spielen können. Ich hätte noch etwas Zeit gehabt.

Ich hab mir sein Album – „Blood To Gold Deluxe Edition“ – geholt und mir den Kopf zerbrochen, ob das Konzert am darauffolgenden Mittwoch nicht auch noch drinliegen würde. Ich habs einfach so geliebt… geht bei ihm unbedingt reinhören.

Long Tall Jefferson
Tom James

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