Touch The Mountains 2017

„Der Trauffer hats schon daruf, der weiss wie Stimmung machen!“ lobten die zwei jungen Herren vis-à-vis von mir im Zug auf der Heimfahrt. „Es hat euch also gefallen?“ fragte ich nach. „Sehr!“ nickten sie. Und ja, nicht nur Headliner Marc Trauffer und seine Band haben an diesem ersten Tag im Jahr unglaublich tolle Stimmung gemacht. Es gibt doch nichts Besseres als am „Touch The Mountains“ in Interlaken ins neue Jahr zu starten – auch wenn es schliesslich noch so kalt ist.

Über der Höhenmatte schwebten die Gleitschirmflieger im stahlblauen Himmel über die Bühne hinweg. Die Sonne schien einem wärmend ins Gesicht, während Nickless am frühen Nachmittag den Auftakt des 13. Touch The Mountains machten. Wär ich nicht so dick angezogen gewesen, hätten glatt Frühlingsgefühle aufkommen können. Seit 2011 war ich jährlich in Interlaken dabei, naja, ausser letztes Jahr. Und ja, ohne „Touch The Mountains“ fehlt halt schon einfach was. Anders als die vorigen Jahre läuteten dieses Mal mit Nickless, Dabu Fantastic, 77 Bombay Street und Headliner Trauffer gleich vier statt wie bisher nur drei Bands mit den rund 30‘000 Besuchern das neue Jahr ein.

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30‘000 Leute, eine riesen Menge: Wenn die Polizei vorbei fuhr, kamen schon so der eine oder andere Gedanke auf von wegen „hoffentlich passiert nichts“. Aber in der ganzen Aufregung waren diese Gedanken doch auch bald verflogen. Rund eine Stunde vor Konzertbeginn schlenderten bereits viele Touristen durch die Strassen und erste Konzertbesucher machten sich auf den Weg zur Bühne. Der Golden Circle war heiss begehrt und schon Tage davor ausverkauft gewesen. Die Essens und Getränkestände standen links und rechts, manchmal sogar mittendrin, bereit und die letzten Vorbereitungen wurden noch getroffen. Manche blieben auf dem Weg zum Festgelände kurz an der 2017-Eisskulptur am Victoria-Jungfrau Hotel stehen und schossen zahlreich Erinnerungsfotos. Andere versammelten sich ein Bisschen weiter vorn um die Alphornbläser rum. Später hörte ich von weitem auch die Triichler. Ja, Tradition gehört genauso zum „Touch The Mountains“ wie die moderneren Klänge und Beats der auftretenden Bands.

Meine Vorfreude auf die Konzerte war gross: Einerseits vier Bands, die ich öfters schon live gesehen hatte und das Programm echt total für mich zusammengestellt war. Andererseits durfte ich mit meiner Kamera an vorderster Front, also im Fotograben, mit dabei sein. Ihr könnt euch womöglich erinnern, dass ich letzten Sommer am Lakeland Festival in Erlach in dem Bereich meine ersten Erfahrungen machen konnte. Es macht unglaublich viel Spass, aber die Konzentration aufs Konzert ist natürlich nochmals ganz anders, als wenn man mitten im Publikum mit einer kleinen Pocketkamera, oder sogar nur dem Handy, steht. Da musste ich mich ziemlich konzentrieren, um die ganzen Eindrücke dann wirklich auch in meinem Kopf zu haben und nicht nur auf der Kamera.

Nickless

Nach 14 Uhr ging es los: Nickless waren dieses Mal ja doch etwas wärmer angezogen als etwa vor zwei Wochen während ihrem Jeder Rappen zählt-Konzert. Die Senkrechtstarter legten schon mal gut vor: Mit seiner lockeren, fröhlichen Art reisst Frontmann Nic mit seinen Popsongs jung und alt mit. Vor rund einem Jahr hatten sie mit „Waiting“ ja ihren ersten Hit gelandet, den kennt ihr bestimmt alle. Wusstet ihr, dass Frontmann Nicola mal Schlagzeug spielte? Ja ob nun an einem richtigen Drumkit oder eben am den unsichtbaren Drums, an denen er seine „Beatboxing“ Skills bewies, der junge Mann ist talentiert. Mit Songs wie etwa „Princess“ oder „Pure Heart“ lassen sie Frauenherzen doch auch ganz schnell mal höher schlagen. Ausserdem ist Gitarrist Franky’s kurzes Colplay-Solo einfach grossartig.

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Dabu Fantastic

Der Golden Circle füllte sich stetig und auch aussen rum hatten sich zahlreiche Zuschauer ihren Platz bereits gesucht. Nach einer kurzen Umbaupause ging es energisch weiter mit Dabu Fantastic: Zack ging es mit „Autobahn“ los und dann Schlag auf Schlag weiter. „Nomal vo vorn, nomal vo Afang a“ – passender ging es kaum am 1. Tag. Dabu Fantastic brachten das Publikum mit ihren Songs nicht nur zum Tanzen, sondern Frontmann Dabu kletterte sehr bald schon über die Absperrung rüber und tanzte über die nächste hinweg gleich selber mit. Für ein paar Selfies mit den Fans blieb dabei ebenfalls Zeit. Und zumindest die junge Frontrow lachte über die neuen „BSB2017-dab-moves“ von DJ Arts. Neben tollem Sound lieferte die Band auch gleich noch den besten Vorsatz fürs neue Jahr: „Lieber uhuere hässlich, als uhuere dumm!“. Einfach mal ein Bisschen lieb zu einander sein.

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77 Bombay Street

Lieb sollte während der nächsten Umbaupause vor allem Schwinger König Mättu Glarner zum 77 Bombay Street Frontmann Matt sein: „Trage mir sorge zu ihm“ verwarnte der Moderator beim kurzen Interview den Sportler, bevor sich die beiden für eine kurze Schwingsequenz bereit machten. „Er muss nachher noch auftreten!“. Einmal Hoselupf, kurz mal dem Publikum winken und schon lag der Musiker flach. Das verlangte eine Revanche, die das Leichtgewicht irgendwie gewann. Naja so ähnlich auf jeden Fall. Hihi. Die Herren bewiesen Humor und das Konzert konnte Matt danach mit seinen drei Brüdern unversehrt spielen.

Es war bereits das dritte Mal, dass 77 Bombay Street am „Touch The Mountains“ dabei waren. Das Publikum ist über die Jahre auch textsicher geworden. Titel wie „47 Millionairs“ oder „Seven Mountains“ sowie natürlich „Up In The Sky“ kennt jeder. Matt tat es nach den ersten Hits dem Dabu Fantastic Frontmann gleich und stattete dem Publikum während „Long Way“ einen Besuch ab. Während Simri und Joe auf der Bühne sassen, letzterer ihn auf der Ukulele begleitete, gesellte sich Esra zum Publikum an der Absperrung und wartete auf seine Einsätze. Während es doch fangs ziemlich viel kälter geworden war, sorgte Simri mit seinen Fitnessübungen zu „Lady Gaga“ dafür, dass das Publikum warm blieb. Ja und alle warteten sie ungeduldig auf den Ski-WM-Song „Empire“. Auf den mussten sie sich dann aber noch bis fast am Ende gedulden.

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Trauffer

Schliesslich erklangen die Kuhglocken und es wurde quer über die Höhenmatte gejodelt. Auch Trauffer war an dem Abend nicht zum ersten Mal Gast in Interlaken. Und er war dieses Mal nicht nur zum ersten Mal Headliner sondern auch klarer Favorit für viele der Besucher. Nach einem unglaublich erfolgreichen Jahr, mit ausverkauften Konzerten sowie Gold- und Platinauszeichnungen, schloss die Band ihre Heiterefahne-Tour ab. Es war übrigens nicht nur das letzte Tourkonzert für Trauffer, sondern auch das letzte Konzert mit Akkordeonspiele Julian. Der habe zukünftig eigene Pläne.

Marc nahm nochmals mit den Fans in der ersten Reihe einen Schnupf und bewies einem jungen Mann aus dem Publikum, dass Kleider eben Leute machen. Er liess ihn vor den 30‘000 Augenpaaren in seine Jacke schlüpfen und ihn bejubeln. Dessen Freundin, die aus dem Publikum zusah, hiess übrigens Angelina – aber ich glaub, Dabu Fantastic waren schon weg. Möglicherweise kennen Dabu Fantastic sie aber eh schon?!

Während der Stubete wurden nicht nur die „Brokkoli-Haare“ von Schlagzeuger Christian mächtig durchgeschüttelt, etwa bei „Donner“ (ACDC Thunder-Version) bebte die Absperrung ganz schön unter dem Enthusiasmus des Publikums. Und auch as kleine Mädchen, das mit Trauffer „Müeh mit de Chüeh“ sang, begeisterte und beeindruckte mit ihrer Textsicherheit und Selbstvertrauen so richtig. Und die Choreographie von „Dr Gipfel!“ wurde bis ganz hinten mitgetanzt. Da durften die Zugaben natürlich nicht fehlen. Die Kommunikation zwischen Trauffer und dem „Frl. Marty“ zeigte sich während der letzten Zugabe zwar etwas einseitig, weil sie ihn aber er sie nicht verstand, trotzdem war es eine richtig tolle Abschlussparty.

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Pyro-Musical

Nach einer kurzen Verzögerung wegen einer technischen Störung, die durch die Kälte verursacht worden sei, startete schliesslich zum Ende das Pyromusical „Pure Adrenaline“ – ein riesiges Feuerwerk das von Musik-Hits seit den 60ern begleitet wurde.  Etwas verfroren, aber bester Laune und glücklich über einen tollen Konzertetag, machte ich mich darauf auf den Weg nach Hause. Auf der Eisbahn, dem „Ice Magic“, herrschte reges Treiben und auch die anderen beiden After-Parties hatten bestimmt bereits im Gange, aber ich war dann doch eher für heisse Schoki in der warmen Stube.

Ich fragte mich aber schon im Zug, welche Acts im nächsten Jahr wohl auftreten werden. Vielleicht kommen Pegasus wieder. Ihr neues Album sollte dann eigentlich erhältlich sein. Ich hoffe aber auch auf Bands, die noch nie am Touch The Mountains gespielt haben. Wen würdet ihr denn gerne sehen?

Band Webseiten:
www.nicklessmusic.com
www.dabufantastic.ch
www.77bombaystreet.com
www.trauffermusic.ch

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