Trauffer Plattentaufe in Lenk

Hell strahlte das Zelt mitten im Dorf in die Nacht. Der grosse Merchandise-Tisch stand im Eingangsbereich bereit – Holzkühe und –hunde, T-Shirts, Fahnen, Feuerzeuge, Flaschenöffner, geschnitzte Fanboxen – und neben allerlei Dingen für Gross und Klein natürlich das neue Trauffer-Album „Heiterefahne“. Ihr hättet am Samstag echt in der Lenk dabei sein sollen!

Die ersten stürmten bei Türöffnung sofort an die Absperrung, um sich die vorderen Plätze zu sichern. Sowas muss man echt hautnah miterleben. Bereits das dritte Jahr in Folge spielte Trauffer am letzten Wochenende bei das Zelt in der Lenk, davon die zweite Plattentaufe. Das Zelt ist echt ein so toller Event. Die Stimmung war bisher bei jeder Show immer sehr schön, und bei Trauffer sowieso. So wie es an diesem Abend war, hätte ich es wohl aber doch nicht erwartet.

Mehr ungeduldig als geduldig wartete das durchmischte Publikum auf Konzertbeginn. Frauen, Männer, Kinder – jeder mag Trauffer. Das Zelt wurde immer voller und plötzlich folgte eine Durchsage: „Bitte alle mal etwas enger zusammenrücken, es möchten noch mehr Leute ins Zelt!“. Schon vor Tagen war es ausverkauft, genauso wie die meisten anderen Shows der kommenden Trauffer-Frühjahrstour. Mit den 2‘000 Zuschauern wurde es zumindest in den ersten Reihen an diesem Abend ziemlich eng. Aber vielleicht hatte ich nur den Eindruck, weil es am Vorabend bei 77 Bombay Street halt nicht ganz so voll war.

Christian Tschanz
Christian Tschanz

Christian Tschanz spielte in Begleitung von Gitarrist Andreas Sigrist vorab als kurzer Support drei Songs. Schon mal die Leute ein wenig in Stimmung bringen. Drei sehr schöne Songs in Schweizerdeutsch und Französisch. Der Auftritt war allerdings einfach zu kurz, um einen richtigen Eindruck zu bekommen. Und die Leute wollten halt einfach nur Trauffer. Zu viel Aufregung, zu viel Geschnatter.

Nach 21 Uhr ging dann das Licht aus. Treicheln erklangen. Julian von Flüe, der neue Örgelispieler der Band, betrat mit zwei grossen Kuhglocken die Bühne. Die Band und Sängerin Monika Schär folgten. Sie kündete den Alpentainer, Marc, an und mit „Trauffer isch zrugg“ ging es los. Das neue Album scheint irgendwie rockiger als der Vorgänger. Es sind neue, mitreissende Melodien und witzige Texte sowie wunderschöne Balladen drauf zu finden. Und das präsentierte die Band an dem Abend dem Publikum. Toller Mundartrock mit volkstümlichen Einflüssen, womit sich die Leute identifizieren können und sich verbunden fühlen. Absolut beste Unterhaltung! Die Band hatte ein Jahr lang Konzertpause gemacht, man hätte es aber nicht meinen können. Die Stimmung war vom ersten Moment an unglaublich, richtig frenetisch. Als wären sie nie weggewesen. Das Zelt bebte fast, es wurde richtig gerockt.

Und wohl nur bei Trauffer möglich: Bereits beim „Sennesinger“ wurde der Schnupftabak rausgeholt. Es wurde lautstark gejodelt – ob man das nun konnte oder nicht. Mal wurde „Zumba“ getanzt und dann mit den Nachbarn links und rechts zu „Müeh mit de Chüeh“ mitgeschunkelt. Und was haben wir alle gelacht: Mal versuchten sich Marc und Moni am Talerschwingen, dann erzählten sie mit Hilfe von diversen Schweizer Hits (z.B. „Hippie Bus“ und „Ewigi Liebi“) wie’s mit dem Meitschi von Chateaux-d’Oex in der „Westschweiz“ weiterging. Marc verriet einem Herrn aus dem Publikum, dass es eigentlich nur an seiner Jacke liege, dass ihn alle so toll fänden. Natürlich wurde das direkt an ihm auch demonstriert.

Die traditionelle, sonst eher altmodische „Stubete“ wurde nicht nur durch eine neue, peppigere Version des „Schacher Seppli“ modernisiert, sondern mit „I wott wieder hei“ und Schweizer Versionen der Hits „Auf uns“ von Andreas Bourani, „S.O.B“ von Nathaniel Rateliff sowie „Thunderstuck“ von ACDC ergänzt. Ja, stellt euch vor: Da hatte ich vor dem Konzert eine Mail gekriegt, dass das Bourani-Konzert am darauffolgenden Montag (also heute) wegen Krankheit abgesagt wurde und dann spielten sie „Auf uns“ – ich dachte ich krieg einen Herzinfarkt, fall in Ohnmacht oder so ähnlich. Ich fand das so cool. Ha! Die Band war in ihrer Pause definitiv fleissig und kreativ gewesen

Damit dann alle mal etwas zur Ruhe kamen – naja, oder vor allem Marc mal eine Verschnaufpause kriegte – wurde es etwas ruhiger und romantischer. Der „Holzstapel“ hinten auf der Bühne entpuppte sich als Piano. Marc habe dafür den ganzen Sommer im Übungskeller gesessen. Er schien recht nervös. „Könnt ihr auch mal ruhig sein? Ich glaub ihr könnt das gar nicht?!“ – Im stillen, abgedunkelten Zelt spielte und sang er dann erst alleine, und schliesslich noch im Duett mit Monika Schär. Beide Titel eben von ihm selber am Piano begleitet. So richtig, richtig schön! Natürlich durften während dem Konzert etwa Songs wie das „Brienzer Buurli“, der „Brienzersee“, „Nid min Typ“ oder der offensichtliche Liebling des Publikums – „zjung für mi“ – ebenfalls nicht fehlen. Insgesamt eine richtig tolle Setlist.

Bevor das Konzert langsam dem Ende nahte, gab es aber noch eine ordentliche Plattentaufe und vor allem mehr als eine Überraschung. Der kleine, süsse Bernhardiner vom neuen Album-Cover, Dana, ist gar nicht mehr so klein (aber noch immer süss, und wie!) und kam mit ihrem Schnapsfässli zum Taufen. Und war es nicht genug, dass „Heiterefahne“ eine Woche davor auf Platz 1 der Albumcharts einstieg, gab es gleich von Sony Switzerland-Direktorin Julie Born noch eine Goldplatte obendrauf. Das Spezielle dabei: „Heiterefahne“ hatte den Goldstatus (über 10‘000 verkaufte Alben) bereits 4 Tage nach Veröffentlichung erreicht. Das habe kaum einer bisher geschafft, wenn überhaupt. Und sie hatten das Marc bis zu diesem Moment auch gar nicht erzählt gehabt.

Da gab es natürlich nochmals Party, unter anderem mit „Frl. Marty“, wobei sich natürlich tatsächlich eine Frau Marty im Publikum finden liess. Es hätten wohl noch x-Zugaben folgen können, das Publikum war unersättlich. Aber auch der schönste Abend findet halt mal ein Ende. Ein unglaublich vielfältiges und abwechslungsreiches Konzert ging nach rund 2 Stunden zu ende. Dafür gab es im Zelt dann noch bis in die frühen Morgenstunden Party mit dem DJ, und Trauffer schrieb bestimmt mindestens eine Stunde lang Autogramme. Ja, Heiterefahne, dr Trauffer isch defintiv zrugg!

Hey, und keine Angst! Auch wenn die kommenden Konzerte ausverkauft sind und ihr möglicherweise kein Ticket dafür habt –  das  Jahr hat gerade erst angfangen! Sie haben noch ganz viele mehr Konzerte versprochen. Auf www.trauffermusic.ch oder Facebook könnt ihr euch über die aktuellen Daten auf dem Laufenden halten.

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