Zürich Openair 2014

Blue Stage

Gab es eigentlich irgendein positives Medienfeedback übers Zürich Openair (ZOA)? Ich glaub, ich habe keines gelesen. Als „Stadt Openair“ beschimpft, zu teuer, zu wenig gutes Line-Up, zu viele DJs und die Besucher hockten vor allem im Dance-Zelt. Ein Openair auf einem riesen Gelände, mit tonnenweise Food-Ständen und Bars, einem Zeltplatz, ganz in der Nähe des Flughafens. Immer wieder konnte man Flugzeuge über einen hinweg hoch in die Lüfte steigen sehen. Ich hab zwar einige neue Bands gehört und Konzerte gesehen, die mir gefielen. So richtige Festivalstimmung, wie ich das etwas vom Gurten kenne oder auch bei kleineren Festivals wie das Summerdays oder Etziken Openair erlebt hab, kam nicht wirklich auf.

Naja, ich war dieses Jahr Donnerstag und Sonntag dort. Einerseits, war ich zu wenig am Line-Up interessiert, dass ich an vier Tagen jeweils fürs Tagesticket CHf 92.00 dafür übrig gehabt hätte, und andererseits ist mir das Festival eben nicht ganz so sympathisch. Es wirkt eher kalt und mit den extrem wenigen Besucher eben ziemlich leer.

DONNERSTAG
Gross wurde in nem Interview noch gesagt, dass auf jeden Fall alles rechtzeitig bereit sein werde und der Einlass pünktlich. Nicht, dass ich’s jetzt wirklich schlimm fand, aber musste schon lachen, als sich der Einlass verzögerte und sie dann auch erst noch das EINGAG-Schild aufhängen mussten.

ZOA 2014 Baba Shrimps eröffneten das Openair auf der Blue Stage, der Hauptbühne. Donnerstagnachmittag um 16 Uhr. Das Wetter war grossartig. Richtig schön Sommer. Aber so gross die Ehre sein mag, ein solches Openair auf der Hauptbühne zu eröffnen, schien es ebenfalls etwas undankbar. Das Geläde war praktisch leer. Und es hatte wohl erst noch fast mehr Mitarbeiter da als eigentliche Festivalbesucher. Der Anblick der RIESEN Bühne auf diesem grossen Platz war einerseits beeindruckend, aber mit dem kleinen Publikum auch irgendwie ein Bisschen beirrend.

Gut gelaunt begannen Baba Shrimps ihre Show mit „Trouble“ und spielten neben den bekannten Songs wie „Europe“ und „All The City Lights“, ebenfalls eine neue Version der aktuellen Single „Back To Where The Light is“. Aufregend! Ich würd mich jetzt nicht als Remixes-Fan bezeichnen, aber das klang gut, war ziemlich cool. Man solle sich einfach locker machen, sich gehen lassen, ein Bisschen Tanzen, animierte Frontmann Adi die Zuschauer. Und die zogen auch mit. Ich hatte Baba Shrimps 1,5 Monate nicht mehr gesehen und es machte an dem Nachmittag besonders viel Spass. Drum- und Gitarrensoli, der Remix für „Back To Where The Light Is“ und überhaupt… aber mit 45min war das Konzert einfach viel zu kurz.

Baba Shrimps @ ZOA 2014
Baba Shrimps

Und für Zugaben blieb nicht mal Zeit, denn gleich im Anschluss gings weiter mit Rival Kings auf der Zeltbühne. Schnell eilte ich rüber. Die fingen auch gleich schon an. Mittlerweilen hatten schon einige mehr Zuschauer den Weg ans Festival gefunden. Die Stimmung war aber da im Zelt ein wenig seltsam. Da war ein ziemlich grosser Fotograben zwischen Bühne und Absperrung und die Zuschauer standen dann auch nochmals 2-3m von der Absperrung weg. Die Leute brauchten einfach ein wenig um warm zu werden. Das Bühnenbild, die Lichtshow, die Songs – es war trotz des frühen Abends schön und immer wieder krieg ich dieses Gänsehaut-Feeling, besonders bei Liedern wie „Lights“ oder „On The Run“. Und „Citizens“ macht einfach nur Spass – „So where do we go from here?“.

Rival Kings
Rival Kings

Die vierköpfige belgische Elektro-Rockband Goose spielten danach als Ersatz für The 1975 auf der Hauptbühne, da diese ihre CH-Auftritte wegen Krankheit des Sängers abgesagt hatten. Ich hätte The 1975 gerne mal live gesehen. Vielleicht sogar mal „Robbers“ im Original gehört, was Undiscovered Soul ja gecovert haben. Und auf jeden Fall mal sehen, wen sie damals supportet haben. Naja, Goose mochte ich nicht. Das dröhnte ganz schön heftig aus den Boxen, wirkte düster und ging total verrückt zu und her – auf und vor der Bühne. Ich hab nichts gegen verrückt, aber eben anders verrückt 😉 Das war mir dann von weitem und nur mit halben Ohr zu hören lieber.

Versuchen taten wirs dann mit The Goastt im Zelt. The Goastt – kurz für The Ghost of a Saber Tooth Tiger – sind Sean Lennon (ja, richtig, der Sohn von John Lennon) und seine Freundin. Hippy-Rock oder so ähnlich. Der eine oder andere Song fand ich okay. Doch irgendwann war alles so gleichtönend. Meine Aufmerksamkeit und mein Interesse an denen ging sehr schnell wieder verloren. Da interessierten mich die Foodstände auf dem Festivalgelände schliesslich mehr 😉

Wieder ein Wechsel zur Hauptbühne. Die ersten 1-2 Songs der Britischen Electro-Pop/Indietronics Band Metronomy klangen richtig toll. Dass sie eine Frau am Schlagzeug hatten, fand ich super. Aber so schnell die Begeisterung da war, so schnell war sie irgendwie auch wieder verflogen. Da die einzelnen Bandmitglieder immer mal wieder eigene Leadparts im Gesang hatten oder auch mal Instrumente wechselten, kam da zwar recht Abwechslung rein, aber nochmals ein Konzert von ihnen müsst ich mir nicht anhören. Das ganze Konzert war mir dann irgenwie zu monoton und alles zu ähnlich. Da halfen auch die rosa Wölkchen der Bühnendekoration nicht viel 😉

Metronomy @ ZOA 2014
Metronomy

Mehr sah ich an dem Tag leider nicht mehr. Von Paulo Nutini schwärmten alle immer und so hätte ich den Schotten gerne auch mal live gesehen. Aber leider war sein Konzert zu spät angesetzt. Funktionierte für mich an dem Tag nicht.

SONNTAG
Am Sonntagmittag waren alle noch etwas verschlafen und wohl noch nicht ganz so wach. Da ging man es lieber etwas ruhiger an. Annakin, eine Schweizer Sängerin aus Baden, deren Stilrichtung dem Trip-Hop zugeordnet wird, war da gerade richtig. Mit nur 2-3 Songs, die ich noch hörte, müsst ich sie mir mal noch genauer anhören gehen.

Wettertechnisch war der Sonntag das Gegenteil vom Donnerstag. Es regnete, war kalt. Es gab zwar einige, die in leichten Sommerkleidchen rumrannten, aber die Mehrheit war mit Gummistiefeln und dicken Schals ans Openair gekommen. Es war richtig stürmisch. Eigentlich der totale Faulenz- und Fernsehrtag. Das half den Besucherzahlen natürlich auch nicht wirklich. Das Gelände war der ganze Tag unglaublich leer. Die meisten, die da waren, flüchteten ins Zelt und bewegten sich da wohl auch nur selten mehr raus.

Die passende Melancholie brachten Kejnu, eine Indie-Rockband aus Zürich. Von den paar Bands, die ich noch nicht kannte, waren sie eine von denen, die mir am besten gefiel. Meinen Bericht zu ihrem Konzert findet ihr bei SwissMusicDiary.ch und zwar genau HIER.

Nach Kejnu stiefelte ich wieder zur Zeltbühne zurück. Das war schon am Donnerstag so gewesen. Die wandernden Menschengruppen. Sah lustig aus. Im Zelt spielte eine Band namens GLORIA. Von etwas weiter weg hörte ich ihnen erstmal zu und durchforstete dabei die ZOA-App nach ihnen. Ich rückte dann mal gleich näher an die Bühne ran und stand dann mit zusammengekniffenen Augen da, versuchte meine Sicht zu schärfen. Tatsächlich stand da als Frontman Klaas Heufer-Umlauf, der Typ aus der Pro7-Sendung Circus Halli Galli, auf der Bühne. Muss sagen, die Deutsche Indie-Rockband gefällt mir sehr gut. Gute Melodien und schöne Texte. Ich hatte Halli Galli ja auch schon geguckt. Sie gehört nicht zu meinen Lieblingssendungen und ich war somit irgendwie überrascht – der Typ kann sogar total „normal“ sein.

Die Dänische Soul und Funk-Band The Asteroids Galaxy Tour folgte auf der Hauptbühne. Kam mir irgendwie die ganze Zeit bekannt vor, vor allem die quirlige, blonde Sängerin in ihrem glitzernen Tigeroutfit. Erst kam sie mit Regenmantel und Schal auf die Bühne. Überhaupt nicht regenscheu und gut ausgerüstet – sehr sympathisch. Aber erst mit dem einen Song war mir schliesslich klar, welche Band das ist. Hatte ich schon unzählige Male im Radio gehört, weiss aber trotzdem immer noch nicht, wie der Song heisst 😉 Die Band kam gut an und zwischendurch, als es still war, schrie auch mal einer „I love you“ zur Bühne hoch. Fand die Band ganz ok.

Ich hörte mir danach noch 1-2 Songs von Sattelites Stories, eine junge, finnische Indie-Rockband, an. Ich machte mich aber dann auf den Weg nach Hause. Ich hatte keine wirklich Lust mehr dort weiter zu bleiben. Es war kalt und nass, und ich musste ja noch meinen Bericht für Swissmusicdiary.ch fertig kriegen.  Natürlich nicht ohne noch kurz am Flughafen bei Starbucks vorbei. Mit leckerem Kaffee aufwärmen.

Also, der Vorteil am Zürich Openair war eben, dass ich einige gute Auftritte gesehen und neue Bands entdeckt habe. Aber DAS Festival ist es sicher nicht. Da muss wohl noch einiges passieren, damit das Zürich Openair mich richtig überzeugt.

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